A Travellerspoint blog

Tag 12

Drei Flüsse Stadt Passau

sunny 27 °C

Die Nacht war ruhig gewesen. Ich würde das leichte Schaukeln und das leise Plätschern in unserer Kabine während der Fahrt vermissen. Auf mich wirkte es sehr beruhigend und erholsam. Mutti war hingegen froh, nicht mehr Angst haben zu müssen, dass irgendwo während der Nacht Wasser eindringen könnte. Schon in den frühen Morgenstunden hatten wir die Grenze nach Deutschland passiert.

Bevor wir zum Frühstück gingen, stellten wir unsere Koffer vor die Tür. Sie würden vom Schiffspersonal an Deck gebracht werden. Schon während des Frühstücks hatten wir unsere Anlegestelle am Stadtrand von Passau erreicht. Wir dockten an einem der vielen anderen Schiffe an, deren Fahrt hier zu Ende ging oder gerade erst beginnen würde. Im Laufe des Vormittags würden wir noch einige Male unseren Ankerplatz wechseln, bevor wir direkt am Kai liegen und aussteigen würden.

Stromkilometer 2.223 in Passau

Stromkilometer 2.223 in Passau

Am gegenüberliegenden Ufer sahen wir das Schild für den Stromkilometer 2.223. Wir hatten also vom Mündungsgebiet stromaufwärtsfahrend eine stattliche Anzahl an Kilometern auf einem der längsten Flüsse Europas zurückgelegt. Noch ein letztes Mal schenkte uns Dimitry ein Lächeln, während er uns beim Frühstücken bediente. Unsere Tischnachbarn hatten auch noch Zeit bis am späten Nachmittag ihr Zug nach Hamburg losfahren würde.

Wir waren einer der Letzten, die das Schiff verließen. Unser Taxi war für 10:00 Uhr bestellt. Etwa fünfzehn Minuten hat dann die Fahrt zum Bahnhof gedauert. Erst kurz vor dem Bahnhof, konnten wir einen kurzen Blick auf die schöne, drei Flüsse Stadt Passau erhaschen. Die Stadt liegt am Zusammenfluss der blauen Donau mit dem grünen Inn und der schwarzen Ilz. Überragt wird die barocke Altstadt von den Türmen des St. Stephans Domes, der die größte Domorgel der Welt besitzt. Leider gab es in Passau keine Stadtführung mehr.

Da wir aber noch Zeit bis zu Abfahrt unseres Zuges hatten und ich bereits zwei Mal zuvor in Passau gewesen war, konnte ich die Stadt noch etwas zu Fuß erkunden. Obwohl ich das Schiffsleben schon jetzt vermisste, war es auf der anderen Seite schön, wieder eine Landratte zu sein und längere Spaziergänge machen zu können. Mutti blieb einstweilen mit dem ganzen Gepäck in der Wartehalle des Bahnhofs sitzen.

Dreiflüssestadt Passau

Dreiflüssestadt Passau

Eine Stunde dauerte mein Spaziergang durch die Altstadt, bis ich wieder zum Bahnhof zurückkehrte. Dieser wurde gerade renoviert. Die Flex, mit der die Pflastersteine geschnitten wurden, wirbelte soviel Staub auf, dass der Rauchmelder anschlug und einen höllischen Lärm machte. Es dauerte gute zwanzig Minuten, bis er endlich abgestellt wurde. Wir besorgten uns noch eine Jause und verließen dann die Wartehalle Richtung Bahnsteig.

Vorerst fuhren wir ein kurzes Stück entlang des Inns, dann drehten wir nach Osten ab. In Wels mussten wir in den Zug nach Salzburg umsteigen. Nach einen kurzem Aufenthalt in der Mozartstadt setzten wir unsere Heimreise nach Villach fort. Dort erwartet uns Kathrin, die uns nach Hause brachte.

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Tag 11

Zwei Mariandls in der Wachau

sunny 28 °C

Kurz nach Mitternacht verließ das Schiff Wien. In der Nähe von Klosterneuburg fuhren wir in die Schleuse Greifenstein ein und wurden circa 14 Meter gehoben. Nachdem wir das nie in Betrieb genommene Atomkraftwerk Zwentendorf in der Finsternis passiert hatten, konnte ich keinen Blick auf die teuerste Industrieruine Österreichs werfen. Danach fuhren wir in die Schleuse Altenwörth ein. Hier wurden wir 16 m gehoben. Als ich während der Nacht in der Schleuse munter wurde, beschloss ich, dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl zu schreiben und ihm zu schildern, wie ich Wien vom Wasser aus erlebt hatte.

Wir hatten beschlossen, etwas früher aufzustehen, um mit dem Frühstück fertig zu sein, wenn wir die Wachau erreichen würden. Als wir gegen 8:00 Uhr den Speisesaal betreten wollten, sah ich auf einem Hügel in der Ferne ein Gebäude majestätisch thronen. Irgendwie kam es mir bekannt vor. Sofort begann mein Gehirn Bilder zu vergleichen und es stoppte bei Stift Göttweig. Kurz darauf meldete sich Carsten und bestätigte meine Vermutung. Das Benediktinerkloster Stift Göttweig wurde gemeinsam mit dem Stift Melk, der Altstadt von Krems und der Kulturlandschaft Wachau im Jahr 2000 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Auf diesen Teil der Reise hatte ich mich besonders gefreut und ich wollte sie mit diesem Höhepunkt abschließen.

Benediktinerstift Göttweig

Benediktinerstift Göttweig

Das dreißig Kilometer lange, liebliche Engtal zwischen Krems und Melk gehört zu den schönsten Abschnitten entlang der Donau. Sanfte Hänge auf denen Wein und Marillenbäume gut gedeihen wechseln sich mit schroffen Felsen ab. Die Landschaft ist so schön, dass sie vielen Filmen als Kulisse diente. Krems ist das Zentrum der Weinindustrie und gilt als einer der schönsten Städte Niederösterreichs. Die gotische Gozzoburg, die barocke Pfarrkirche St. Veit und das Dominikanerkloster prägen das Stadtbild.

Krems an der Donau

Krems an der Donau

Wir waren längst nicht mehr das einzige Schiff, das in diesem Gebiet die Donau befuhr. Hinter der nächsten Flussbiegung tauchte schon das keine Städtchen Dürnstein auf, wo bereits vier Kreuzfahrtschiffe vor Anker lagen. Dürnstein wurde mit der Sage um Richard Löwenherz weltweit bekannt. Auf seiner Heimreise nach England nach der Teilnahme an den Kreuzzügen wurde er hier festgenommen. Es kann jedoch nicht mehr festgestellt werden, ob er in der heutigen Ruine Dürnstein, die die Stadt überragt, im Tal oder auf einer nicht mehr existierenden Nebenburg gefangengehalten wurde. Leopold V. finanzierte mit dem Lösegeld die neuen Stadtmauern in Wien und ließ die Stadt Wiener Neustadt gründen.

Dürnstein

Dürnstein

Dürnstein steht für eine exklusive Lagen-Selektion von Terrassenweingärten aus dem östlichen Teil der Wachau. Die einzigartige Kombination von kargen Urgesteinsböden und dem warmen pannonischen Klimaeinfluss bringen solche Weine hervor, die so spezielle Namen führen wie Dürnsteiner Katzensprung. Immerhin wurde dieser Wein vor mehr als fünfzig Jahren beim Bankett der Staatsvertragsunterzeichnung serviert.

Weinbau in Dürnstein

Weinbau in Dürnstein

Umgeben von sonnigen Rebenhügeln erhebt sich die mächtige gotische Pfarrkirche von Weißenkirchen. Die Wehrkirche wurde 1531 zum Schutz gegen die Türken erbaut. Am Donauufer liegen die drei Salzstadeln aus dem 17. Jahrhundert, von wo aus zu früheren Zeiten das nahe gelegene nördliche Waldviertel mit Salz versorgt wurde. Mit 500 Hektar Rebenfläche ist Weißenkirchen einer der wichtigsten Weinbauorte nördlich der Donau. Angebaut werden hauptsächlich Grüner Veltliner und Riesling. Die älteste der urkundlich erwähnten Rieden aus dem 13. Jh. heißt Ritzling. Somit gilt Weissenkirchen als Ursprungsort des Rieslings. Seit 10 Jahren wird bei den Wachaufestspielen, die im prächtigen aus der Renaissance stammenden Teisenhoferhof stattfinden, im Sommer die musikalische Komödie „Der Hofrat Geiger“ aufgeführt. 1947 spielte Waltraud Haas im Film die Tochter Mariandl – heute unter der Regie ihres Ehemannes Erwin Strahl die alte Wirtin Windischgruber.

Weißenkirchen

Weißenkirchen

Der folgende Weiler St. Michael ist zwar klein, aber von größter geschichtlicher Bedeutung. Von hier aus wurden die Menschen der Wachau und des südlichen Waldviertels lange Zeit seelsorglich betreut. Die Wehrkirche St. Michael ist die älteste Pfarre der Wachau. Auf dem Dachfirst des Chores sind Kopien von sieben Terrakottafiguren, deren Originale im Kremser Stadtmuseum aufbewahrt werden. Sie stellen Hirsche und Pferde dar, sind aber als „Die sieben Hasen von St. Michael“ bekannt.

Wehrkirche St. Michael

Wehrkirche St. Michael

Der berühmte Erholungsort Spitz wurde rund um den 314 m hohen Tausendeimerberg gebaut. Der Berg hat seinen Namen davon bekommen, da von seinen Hängen in guten Jahren bis zu 1.000 Eimer Wein geerntet wurden. Ein Eimer ist ein altes Maß und entspricht etwa 56 Liter. Heute reicht diese Anbaufläche wohl nicht mehr aus. Deshalb gibt es an den Hängen hinter diesem Berg neue Weingärten. Einem, der zumindest im Film immer Durst hatte, ist ein Museum im Hotel Mariandel gewidmet- nämlich Gunther Philipp. Berühmt wurde das Hotel Mariandl durch den gleichnamigen Film, der zum Großteil hier gedreht wurde. Hier wurden auch Hofrat Geiger und Mariandls Heimkehr gedreht.

Spitz an der Donau

Spitz an der Donau

Hoch über der Donau thront die Ruine der Burg Aggstein. Am Ufer darunter vor dem Hotel Post sah man früher des Öfteren Peter Alexander bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Fischen. Entlang des Donauufers in der Wachau führen Treppelwege oder Triedelpfade. Sie wurden angelegt, damit Menschen und Zugtiere hölzerne Frachtschiffe flussaufwärts ziehen konnten. Entlang der Donau ist der Treppelweg über weite Strecken von Bayern bis nach Rumänien an beiden Ufern erhalten und als Donauradweg bis Budapest ausgebaut.

Hotel zur Post

Hotel zur Post

Das Schloss Schönbühel wurde Anfang des 12. Jh. von Marchwardus de Schoenbuchele an der Stelle erbaut, wo bereits eine römische Festung gestanden hat. Unweit vom Schloss ließ Graf Conrad Balthasar von Starhemberg 1666 auf einem Felsen eine Kapelle, die wie die Grabeskirche in Jerusalem aussah, erbauen. Hier entstand dann ein Servitenkloster. Mit dem kleinen Felsen in der Donau endet die eigentliche Wachau. Kommentar vieler Passagiere war: „Österreich ist doch schön!“. Wien hatte irgendwie einen schlechten Eindruck hinterlassen.

Schloss Schönbühel mit Servitenkloster

Schloss Schönbühel mit Servitenkloster

Soviel Sightseeing macht müde und hungrig. Ab 11:45 Uhr wurde im Speisesaal das Mittagessen serviert. Nach dem Salatbuffet gab es eine Heurigen Kartoffelsuppe. Als Hauptgang folgte ein Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Leider war das Schnitzel nicht goldbraun und der Kartoffelsalat war wirklich das schlechteste Mahl, das wir an Bord vorgesetzt bekamen. Das Essen war die ganze Reise über ausgezeichnet gewesen. Vielleicht sind wir einfach nur verwöhnt und wir wissen wie ein Schnitzel schmecken soll. Zum Nachtisch gab es Apfelstrudel mit Vanillesauce, der köstlich schmeckte.

Nach dem Essen waren die Kirchtürme des Stiftes Melk schon sichtbar. Carsten sagte mir, dass wir kurz vor dem Anlegen, an der Mündung der Melk in die Donau den schönsten Blick auf das Stift werfen könnten. Über zehn Schiffe lagen hier schon vor Anker und verdeckten so fast zur Gänze das vor uns liegende Laufkraftwerk Melk. Beim Verlassen des Schiffes mussten wir wieder durch zwei andere Schiffe durch. Carsten begleitete uns diesmal bis zum Stift. Etwa eine Viertelstunde fuhren wir mit dem Bus stetig bergan durch Obstbaumplantagen. Endlich sahen wir einige der berühmten Marillenbäume. Diese Frucht ist sowie die Weinrebe typisch für die Wachau. Während Carsten die Eintrittskarten besorgte, schauten wir den Schülern zu, die gerade aus dem Stift strömten. Auch hier war das Schulleben scheinbar nicht anders, als in einer anderen Schule – nur war das Schulhaus viel schöner.

Innenhof des Stiftes Melk

Innenhof des Stiftes Melk

Erhaben thront das Benediktinerstift Melk oberhalb des gleichnamigen Ortes. Frühzeitig wurde der hohe, strategisch günstig gelegene Fels bebaut. Markgraf Leopold I. ließ im 9. Jahrhundert eine Babenberger Burg aus einer wohl bereits vorhandenen Anlage errichten. Später erhielten die Benediktinermönche Melk und das Stift erlangte eine hohe Bedeutung als ein kulturelles, wissenschaftliches und geistliches Zentrum des Landes. Die gewaltigen Ausmaße des in warmem Gelb erstrahlenden Barockbaus unterstreichen dies. Die aufwändige Gestaltung des Klosterkomplexes setzt sich auch in den Innenräumen fort. Literarisch bekannt geworden ist das Stift unter anderem durch Umberto Ecos Roman "der Name der Rose".

Unsere Führung begann mit der Kaisertreppe und der Besichtigung der Ahnengalerie. Immer wieder werden in den Prunkräumen verschiedene Kunstwerke, die im Besitz des Stiftes sind, ausgestellt. Eines der bedeutendsten Schätze ist wohl das Melker Kreuz, das auch von Vielen fotografiert wird. Dieses kostbare Heiligtum ist aus Gold gearbeitet und mit Edelsteinen besetzt und enthält einen Splitter vom Kreuze Christi, an dem noch Spuren des heiligen Blutes sichtbar sind.

Melker Kreuz

Melker Kreuz

Ebenso beeindruckend wie der Marmorsaal, dessen Decke durch eine optische Täuschung wie gewölbt erscheint, ist die Aussicht auf die Donau und die weitere Umgebung von der Terrasse (Altane) vor dem Prunksaal. Leider darf in den zwölf Räumen der Bibliothek nicht fotografiert werden. Man müsste hier viel Zeit verbringen, um die etwa 100.000 Bände zu lesen. Allein im großen Bibliothekssaal, den ein Deckenfresko von Paul Troger schmückt, befinden sich 16.000 Bücher.

Marmorsaal Stift Melk

Marmorsaal Stift Melk

Der Höhepunkt der barocken Klosteranlage, die nach den Plänen von Jakob Prandtauer entstand, ist die Stiftskirche. Viele bedeutende Maler waren mit der künstlerischen Ausgestaltung der Kirche betraut worden. Weil es anscheinend so viele berühmte Künstler während dieser Zeit gab, ist die Kirche von unten nach oben total bemalt. Der linke Seitenaltar im Querschiff enthält in einem Sarkophag die Gebeine des heiligen Kolomans, des Schutzpatrons des Stiftes.

Stiftskirche Melk

Stiftskirche Melk

Nach soviel Kultur blieb uns auch noch ein wenig Zeit für den leiblichen Genuss. Während eines Spaziergangs durch den Klosterpark genossen wir ein Eis. Das Wetter war herrlich und die sommerlichen Temperaturen ließen uns den Schatten der Alleebäume, die zum Ausgang führten, als Wohltat empfinden. Der erste der beiden Busse, die uns zur Anlegestelle zurückbringen sollten, war gerade eingetroffen, als wir das Gelände des Klosters verließen. Sofort kehrten wir zum Schiff zurück. Bis der zweite Bus eingetroffen war, hatte ich schon einige Runden im Pool hinter mir. Denn um 15:30 Uhr verließ die MS Wolga Melk Richtung Passau.

Blick auf Stift Melk von der Schleuse aus

Blick auf Stift Melk von der Schleuse aus

Von der Schleuse des Laufkraftwerkes aus hatten wir noch einen faszinierenden Blick auf die imposante Anlage des Stiftes Melk bis sich dann endgültig die Schleusentore schlossen. Der Donauabschnitt zwischen den Schleusen Melk und Persenbeug heißt Nibelungengau. Der Name erklärt sich aus der Tatsache, dass die Region im Nibelungenlied eine wichtige Rolle spielte. Rüdiger von Bechelaren, ein Lehnsmann des Hunnenkönigs Attilas, soll dort seinen Sitz als Markgraf gehabt haben. Pöchlarn ist aber auch Geburtsort des weltberühmten Malers Oskar Kokoschka.

Pöchlarn

Pöchlarn

Die Zeit in den beiden Schleusen verbrachte ich damit, unsere Koffer zu packen, denn am nächsten Morgen würden wir Passau erreichen und ausschiffen müssen. Deshalb ertönten auch immer wieder Ansagen von Carsten über das Bordmikrofon. Einmal verteilte er Kofferbanderolen in verschiedenen Farben, je nach Reiseziel des Passagiers, einmal gab er Auskunft über die Abholzeiten der verschieden Busse, die am Pier die Reiseteilnehmer abholen würden oder über die Abfahrtszeiten der Züge vom Bahnhof Passau. Leider würde unsere schöne Reise schon bald zu Ende gehen.

Vor uns tauchte auf einem 443 Meter hohen, steilen Hügel liegend der Wallfahrtsort Maria Taferl auf. Der bedeutendste Wallfahrtsort Niederösterreichs ist nach Maria Zell der zweitgrößte Österreichs. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche wurde rund um einen Bildstock der Jungfrau Maria als Gnadenmutter gebaut. Diese Statue wurde der Überlieferung nach von Alexander Schinagel, einem Förster, der auf wundersame Weise nach einer schweren Krankheit geheilt wurde, gestiftet.

Marbach mit Maria Taferl

Marbach mit Maria Taferl

Die Fließgeschwindigkeit der Donau wurde wieder durch ein Kraftwerk gedrosselt. Wir glitten vorbei an der Stadt Ybbs. Wunderschöne, renovierte Gebäude säumten das Ufer. Das Gelände des ehemaligen Klosters wurde von der Stadt Wien angekauft. Heute ist hier ein Therapiezentrum für Geisteskrankheiten untergebracht. Im Babenbergerhof ist ein Hotel mit sehr gutem Restaurant.

Ybbs an der Donau

Ybbs an der Donau

Rechts vor uns tauchte dann der zweite Teil der Doppelstadt Ybbs-Persenbeug auf. Das Schloss Persenbeug stammt aus dem Jahre 907. Am 3. Dezember 1800 kaufte Kaiser Franz I von Österreich das Schloss und Gut als freien Privatbesitz. Am 17. August 1887 wurde auf Schloss Persenbeug auch der letzte Kaiser von Österreich, Kaiser Karl I. geboren. Bis heute ist das Anwesen im Besitz der Familie Habsburg-Lothringen. Mit dem Bau des fast an das Schloss angebauten Laufkraftwerkes Ybbs-Persenbeug wurde nach 55 Projektvarianten 1954 begonnen und es ist somit das älteste Wasserkraftwerk Österreichs. Mit Persenbeug beginnt auch der 25 Kilometer lange Strudengau.

Schloss und Kraftwerk Persenbeug

Schloss und Kraftwerk Persenbeug

Wieder war es an der Zeit, sich umzuziehen. Heute waren wir zum Kapitänsdinner geladen. Es war bereits unser Abschiedsessen. Lachs und Kaviar mit einem Gläschen Wodka folgten eine Ochsenschwanzsuppe mit Sherry. Als ob wir noch nicht genug Vorspeisen gehabt hätten, wurde noch Kaninchenragout in der Blätterteigtasche gereicht. Der köstliche Hauptgang setzte sich aus einem Steak mit Spargel und Williamskroketten zusammen. Wie es sich für das Traumschiff gehört, wurde die Nachspeise mit brennenden Wunderkerzen durch den finsteren Speisesaal getragen. Das überbackene Eis war ein Höhepunkt des Mahls.

Die uniformierte Crew

Die uniformierte Crew

Nach dem opulenten Mahl machten wir wie fast jeden Abend einen Spaziergang rund um das Schiff. In der Abenddämmerung tauchte wieder ein Schloss auf. Auch das Schloss Wallsee, das auf einem mächtigen Donaufelsen thront, wird heute noch vom Urenkel von Kaiser Franz Josef I. bewohnt. Maria Valerie, das jüngste von vier Kindern von Kaiser Franz Josef, zog am 4. September 1897 in die Donauburg ein. Sie war sehr mildtätig und richtete Suppenküchen ein, kleidete arme Schulkinder zu Weihnachten ein und half wo immer sie konnte. Ob ihre Nachkommen sich auch solcher Beliebtheit erfreuen? Mutti freute sich sehr als der Kapitän extra von der Brücke herunterkam, um ein Foto mit ihr vor dem Schloss zu machen. Dann begab er sich wieder schnell auf die Brücke, denn in Kürze würden wir das Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen passieren und damit auch die Grenze zwischen Nieder- und Oberösterreich.

Mutti mit Kapitän vor dem Schloss Wallsee

Mutti mit Kapitän vor dem Schloss Wallsee

An der Bar fanden wir dann ein ruhiges Plätzchen, um noch eine Runde mit Helga und William zu trinken. Sie waren sehr nette Tischnachbarn – die Barbie mit ihrem Kapitän. William hatte jahrzehntelang für die Firma Siemens gearbeitet und technische Geräte auf Kriegsschiffen installiert und getestet. Er muss ein sehr interessantes Leben geführt haben – so halb in geheimer Mission immer begleitet von seinem hübschen „Bondgirl“. In der Dunkelheit passierten wir Enns und Mauthausen. Feldkirchen an der Donau und die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz würden wir dann wohl verschlafen.

Karte Tag 11

Karte Tag 11

Posted by fegoesdonau 00:55 Archived in Austria

Tag 10

Übernachtung unter der Autobahnbrücke

sunny 34 °C

Nur kurz hatten wir ein leichtes Rütteln während der Nacht verspürt, als wir die Schleuse von Gabcikovo durchfahren hatten, die mit circa 20 Metern Hubhöhe die zweitgrößte Schleuse auf unserer Strecke war. Ab dem Stromkilometer 1811 verlassen die Donauschiffer für eine Strecke von ungefähr 38 Kilometern den Hauptstrom, um sich auf den bis zu 700 m breiten und beiderseits von hohen Deichen geschützten Gabcikovo-Kanal zu fahren. Mit diesem Kraftwerk wird circa ein Zehntel des slowakischen Strombedarfs produziert. In den frühen Morgenstunden hatten wir die slowakische Hauptstadt Bratislava, die direkt an der Donau liegt, passiert. Leider hatten wir von dieser schönen Stadt nichts gesehen. Die Slowakei war neben Moldawien das einzige der zehn Länder, die wir berührt oder durchfahren hatten, in dem es keinen Ausflug gab. Kurz nach Bratislava bildet die Donau die Grenze zu Österreich. Mir war nie bewusst gewesen, dass Bratislava fast ist Österreich liegt.

Karte Tag 10

Karte Tag 10

Nach der Mündung der Morava betritt die Donau durch die Ungarische Pforte bei Hainburg unsere Heimat. Die Donau fließt 357 Kilometer durch Österreich. 96 % aller österreichischen Flüsse entwässern zur Donau hin. Zahlreiche, zum Teil niedrige Brücken, überspannen den Strom während der nächsten zwei Tage. Neun Wasserkraftwerke liefern circa 15 Milliarden kWH in unser Stromnetz. Durch neun Schleusen können wir diese Kraftwerke mit dem Schiff passieren.

1983 wollte die Österreichische Donaukraftwerke AG in der Hainburger Au ein weiteres Wasserkraftwerk bauen. Die Besetzung der Hainburger Au im Dezember 1984 ging durch alle Medien. Im März 1985 wurde das Konrad Lorenz Volksbegehren zur Rettung der Au durchgeführt. Seit 1996 gehört die Hainburger Au zum Nationalpark Donau-Auen. Eigentlich hatte ich mich schon darauf gefreut, dieses Gebiet zu durchfahren und Tiere zu beobachten. Da hätte ich wohl vor Sonnenaufgang aufstehen müssen. Gerade als wir zum Frühstück gingen, fuhren wir schon in die Lobau ein.

Ich wusste gar nicht, wo wir uns gerade mit dem Schiff befanden. Die flachen Ufer waren bewaldet und alle fünfhundert Meter stand eine kleine Baracke. Eigentlich dachte ich, dass wir uns noch im Grenzgebiet zur ehemaligen Tschechoslowakei befinden würden. Vielleicht waren es die alten Grenzkontrollposten, die zu Wochenendhäusern umfunktioniert worden waren? Dann gab uns Carsten des Rätsels Lösung. Wir durchfuhren gerade das Naturschutzgebiet der Lobau, das sich zum Teil im Besitz der Gemeinde Wien und zum Teil der Republik Österreich gehört. Schade, dass man die Einfahrt zur wunderschönen Stadt Wien mit ungepflegten Hütten und Baracken säumt. Die Lobau war Kampfgebiet der Schlacht bei Aspern 1809 gegen die Truppen Napoleons. In der Oberen Lobau sah man viele Wildbadeplätze und Lagerwiesen.

Fischerhütte in der Lobau

Fischerhütte in der Lobau

Gerade als wir ein schönes Plätzchen am Sonnendeck suchten, begegneten wir dem Twin City Liner. Dieser Schnellkatamaran mit Jetantrieb verkehrt fünf Mal täglich zwischen Wien und Bratislava. Die Fahrzeit beträgt eineinviertel Stunden. Für Wien stellte die Donau stets eine Fernverkehrsverbindung dar. 1439 wurde sie erstmals überbrückt. Schon Maria Theresia verbannte den oft durch Hochwasser zerstörenden Strom aus der Innenstadt. Die Donauarme wurden zur geradlinigen „Großen Donau“ zusammengefasst und ein breites Überschwemmungsgebiet angelegt. Der heute Donaukanal genannte südliche Donauarm wurde ausgebaut und die Reste eines Seitenarms blieben als Alte Donau auf der Nordseite des Stroms erhalten. Den Abschluss der Hochwasserschutzmaßnahmen bildete die Errichtung der Neuen Donau mit der Donauinsel als Naherholungsgebiet.

Einflugschneise Wien Schwechat

Einflugschneise Wien Schwechat

Wieder meldete sich Carsten mit der Warnung vor tieffliegenden Flugobjekten. Wir befanden uns in der Einflugschneise des Flughafens Wien Schwechat. Immer wieder sahen wir hier auch Hängebrücken – sogenannte Barbarabrücken – das sind Rohrleitungen, die Erdgas von den nördlichen Erdgasfeldern über den Strom zur Raffinerie in Schwechat transportieren.

Abbau der Brücke

Abbau der Brücke

Als wir uns dem Kraftwerk Freudenau näherten, mussten wir das Sonnendeck räumen. Gut, dass die Sonne schien, denn auch die Brücke musste abgebaut werden und der Kapitän stand im Freien. Die beiden Schiffsschleusen sind 275 Meter lang und 24 Meter breit. Die Wehrmauer kann von Fußgängern und Radfahrern als Donaubrücke verwendet werden. Mit einem schweizer Schiff fuhren wir in die Schleuse ein.

Kraftwerk Freudenau

Kraftwerk Freudenau

Nachdem wir die Schleuse verlassen hatten, wurde es städtischer. Die Stadt Wien breitet sich zu beiden Seiten der Donau vom Flusskilometer 1918 bis zum Flusskilometer 1945 aus – tragischer Zufall? Am linken Donauufer wurden wir nicht von einer Kirche, sondern von einer Pagode begrüßt. Die Friedenspagode Wien ist ein buddhistischer Stupa, der zwischen 1982 und 1983 von japanischen Mönchen gebaut wurde. Immer näher rückten die Wohnblöcke und Hochhäuser ans Ufer. Von einem Turm neben dem Glaspalast des ÖGBs lächelte uns ein Wiener Schnitzel Smiley der Raiffeisenbank an.

Wiener Schnitzel Smiley

Wiener Schnitzel Smiley

Auch die Hotelkette Hilton hat am Ufer der blauen Donau ein Luxushotel gebaut. Aber nicht nur Hotels leisten sich einen Platz an der Wasserfront, sondern auch unsere Pensionsversicherungsanstalt.

Gebäudekomplex der Pensionsversicherungsanstalt

Gebäudekomplex der Pensionsversicherungsanstalt

Eigentlich dachte ich, dass wir im Zentrum der Stadt am Anleger Reichsbrücke anlegen würden. Doch unser Schiff fuhr vorbei am Glaspalast der DDSG und der Jubiläumskirche am Mexicoplatz. Dieses Gebäude ist durch die Krimiserie Soko Donau bekanntgeworden. An der Reichsbrücke leuchtete das rote Licht auf. Uns wurde die Durchfahrt verweigert. Am Brückenpfeiler wurde gerade an einer neue Folge von Soko Donau gedreht. Ein paar Minuten später – die Wasserleiche war wohl geborgen worden – durften auch wir die niedrige Brücke vorsichtig passieren. Neben dieser niedrigen Brücke steht der 202 Meter hohe Mileniumstower, ein Bürogebäude, das anlässlich der Jahrhundertwende erbaut wurde.

Hauptsitz der DDSG und Jubiläumskirche am Mexicoplatz

Hauptsitz der DDSG und Jubiläumskirche am Mexicoplatz

Auf der rechts neben uns gelegenen Donauinsel sah ich den Donauturm, der die Mitte des WIG Geländes kennzeichnet und mit 252 Metern das höchste Bauwerk Österreichs ist. Hier stehen die Gebäude der UNO-City und des Austria Center Vienna. Der Donau City Tower I mit 250 Metern wurde erst am 26. Feber 2014 eröffnet.

Das moderne Wien auf der Donauinsel

Das moderne Wien auf der Donauinsel

Am Donauinselspitz tauchte das Bertha-von-Suttner-Gymnasium der Stadt Wien auf. Die „schwimmende Schule“ wurde in der nahegelegenen Schiffswerft Korneuburg gebaut. Sie besteht aus zwei gekoppelten Schiffen, die 36 Klassen und Veranstaltungsräume beherbergen und einem dritten Schwimmkörper, in dem sich der Turnsaal befindet.

Schulschiff Bertha-von-Suttner

Schulschiff Bertha-von-Suttner

Noch immer fuhr unser Schiff weiter. Vorsichtig manövrierte unser Kapitän das Schiff durch die vielen niedrigen Brücken hindurch. Vor uns sahen wir schon den Sender am Kahlenberg und die Kirche am Leopoldsberg, dessen Hänge voller Weingärten waren. Der Kahlenberg ist mit 484 Meter der beliebteste der Wiener Hausberge. Neben der Josefskirche, die an die zweite Türkenbelagerung Wiens erinnert, steht der 165 m hohe Fernsehturm des ORF. Der danebenliegende Leopoldsberg ist nur 425 m hoch. Er ist der nördlichste Punkt des gebirgigen Westrands von Wien. Seine Hänge fallen mit einer Hangneigung von 50 bis 70% steil zur Donau ab. Seit 1304 werden auf dem nördlichen Hängen dieser beiden Berge nachweislich Wein angebaut.

Kahlenberg und Leopoldsberg

Kahlenberg und Leopoldsberg

Bekannt ist auch die Sage vom Leopoldsberg. Ein Windstoß hatte den Schleier der Markgräfin Agnes, der Gemahlin Leopolds II von der Burg auf dem Leopoldsberg an jene Stelle geweht, an dem später das Stift Klosterneuburg errichtet wurde. Dies könnte wahrscheinlich sein, denn in der Ferne sah man schon die beiden Kirchtürme und die grünen Kuppeln des Klosters aufragen. Die Stadt hatten wir bereits hinter uns gelassen. Lange brauchten wir mit dem Schiff nicht mehr zu fahren und wir würden bereits in Niederösterreich sein. Der Donaukanal mündet hier in Nussdorf bei der Nussdorfer Wehr- und Schleusenanlage, die von Otto Wagner entworfen wurde, in den Hauptstrom der Donau ein, auf den wir uns befanden.

Wehranlage Nussdorf

Wehranlage Nussdorf

Endlich tauchte ein Ponton auf und wir legten im Hafen Nussdorf – oder soll ich sagen: am A der Welt? an. Nussdorf war seit dem 16. Jahrhundert das wichtigste Hafengebiet im Wiener Raum für Schiffe, die Waren donauabwärts nach Wien brachten. Da die weitere Schifffahrtsrinne nach Wien sehr schmal war, legten die großen Schiffe in Nussdorf an und die Waren wurden auf kleinere Schiffe oder auf Pferdewagen umgeladen. Auch wir würden hier nach dem Mittagessen auf zwei Busse umgeladen werden, um eine Stadtrundfahrt durch Wien zu machen.

Kaiserin Sissi fuhr 1853 mit dem Schiff bis zur Donaustation Nussdorf, wo sie ein pompöser und sehr herzlicher Empfang erwartete. Damals sah die Gegend hier sicher noch anders aus. Was wir als erstes zu sehen bekamen, war der Turm der Müllverbrennungsanlage Spittelau. Auch die von Friedensreich Hundertwasser künstlerisch gestaltete Fassade konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir von einer Müllverbrennungsanlage in Wien begrüßt wurden.

Müllverbrennungsanlage Spittelau

Müllverbrennungsanlage Spittelau

Ich war schon neugierig, welches Wien man den Passagieren der Kreuzfahrtschiffe zeigen würde. Da Nussdorf weit außerhalb der Stadt liegt, dauerte es fast eine halbe Stunde bis wir in die Innenstadt gelangten. Die Reiseleiterin, eine typische Wienerin, erzählte auf der Fahrt dorthin viel über Städtebau, Geschichte und Politik. Wir fuhren den Donaukanal entlang bis zur Urania und am Stadtpark vorbei bis zum Ring an dem die vielen Prachtbauten stehen. Im Vorbeifahren sahen wir die Staatsoper, die Hofburg, das Kunst- und das Naturhistorische Museum, das Parlament, das Burgtheater, das Rathaus und die Votivkirche. Vor dem Burgtheater hielt der Bus kurz an, um uns austeigen zu lassen. Ein einstündiger Spaziergang durch die Innenstadt folgte.

Mittlerweile war das Thermometer auf 34 Grad angestiegen und zwischen den Mauern war es scheinbar noch wärmer. Deshalb versuchte uns die Reiseleiterin im Schatten der Bäume durch den Volksgarten zum Denkmal der Kaiserin Sissy zu lotsen.

Denkmal der Kaiserin Sissy im Volksgarten vor dem Burgtheater

Denkmal der Kaiserin Sissy im Volksgarten vor dem Burgtheater

Am Ballhausplatz vorbei gelangten wir zur Hofburg. Eigentlich erwähnte sie gar nicht, dass viele der österreichischen Schätze hier aufbewahrt werden. Ich möchte nur die Nationalbibliothek, die Schatzkammer Österreich mit den Kronjuwelen und das Hofimmobiliendepot mit Möbeln und Kleidern aus allen Epochen erwähnen. Wir durchschritten den großen, überdachten Eingangsbereich, wo früher die Kutschen vorfuhren und die Herrscher trockenen Fußes ihre Gemächer erreichen konnten. Hinter der Hofburg ist die Stallburg, auch Maximilianburg genannt. In den Stallungen des Erdgeschosses sind bis heute die edlen Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule untergebracht. 2007 wurden im Innenhof zusätzliche Boxen geschaffen, aus denen die Hengste das Treiben im Hof und in der Reitschulgasse verfolgen können.

Lipizzaner in der Stallburg

Lipizzaner in der Stallburg

Vorbei an der bekannten Tanzschule Ellmayer im Schatten der Bräunerstraße spazierten wir zum Graben und von dort aus zum Stephansdom. Vor dem Dom zeigte uns die Reiseleiterin, wo wir uns in spätestens einer halben Stunde treffen würden. Jeder konnte von da an seiner Wege gehen. Mutti und Wilhelm waren schon müde und wir beschlossen, den Hamburgern eine der schönsten Plätze Wiens zu zeigen. Wir gingen ein Stück die Kärntner Straße hoch. Im Kaufhaus Steffl nahmen wir den Lift in den siebenten Stock. Dort ist man auf der Höhe des bunten Dachs vom Stephansdom und man hat vom Sky Cafe aus einen der schönsten Blicke über die Stadt Wien. Gerda nützte die Zeit für einen Einkaufsbummel. Ich genoss die Pause mit einem Hugo. Nach der dreißig minütigen Freizeit, die mit einem Kurzbesuch im Stephansdom endete, brachte uns der Bus vorbei am Praterstern, dem Handelskai und der Müllverbrennungsanlage zum Schiff zurück.

Wiener Riesenrad

Wiener Riesenrad

Wir waren durchgeschwitzt. Abkühlung konnte nur ein Bad im Pool auf dem Sonnendeck bringen. Während ich ein paar Runden schwamm, betrachtete ich die Gegend. Der Schiffsanleger Nussdorf liegt am steilen Abhang des Leopoldsberges. Da zwischen dem Abhang und dem Ufer der Donau wenig Platz bleibt, ist die Autobahn in diesem Bereich auf Stelzen gebaut. Unter ihr verlaufen die Bundesstraße und die Bahntrasse. Das Schiff lag fast unter dieser Brücke – folglich würden wir die Nacht unter der Autobahnbrücke verbringen. Wo waren wir da bloß gestrandet?

Übernachtung unter der Autobahnbrücke

Übernachtung unter der Autobahnbrücke

In der Zwischenzeit hatte Mutti geduscht. Kaffee und Kuchen warteten schon auf uns. Nur nicht zu viel davon essen, denn Abendessen gab es schon um 18:00 Uhr. Für den Abend wurden zwei Ausflüge angeboten: der Besuch eines Heurigen oder den Genuss eines klassischen Konzertes. Carsten hatte uns erzählt, dass wir nur zehn Minuten zur Haltestelle der Straßenbahn hätten. Unsere hamburger Bekannten waren noch nie in Wien gewesen und hätten gern Wien bei Nacht gesehen. Deshalb schlug ich vor, nochmals mit ihnen in die Stadt zu fahren.

Nach dem Abendessen traf ich mich mit Gerda. Wilhelm und Mutti waren doch schon zu müde für einen weiteren Stadtrundgang. Also marschierten wir schnellen Schrittes los. Aus zehn Minuten Anmarsch wurden zwanzig. Die Haltestelle der Linie D war in einer Seitenstraße des Bahnhofs und wir brauchten ohne Umsteigen mehr als eine halbe Stunde zur Oper, wo wir ausstiegen. Von hier aus starteten wir unsere Runde durch die Stadt. In der Kärntner Straße hatten viele Geschäfte bereits geschlossen. Das Swarovski Geschäft hatte noch geöffnet. Wir schlenderten durch, ohne was zu finden. Vom Stock im Eisenplatz gingen wir über den Graben zum Kohlmarkt. Leider hatte auch der Demel schon zu. Über den Michaelerplatz gelangten wir zur Hofburg. Als wir durch das Heldentor gingen, wurden die Lichter gerade eingeschaltet und das Parlament erstrahlte im Lichterglanz. Schön ist das Wiener Rathaus immer anzusehen, jedoch mit den Lichtern der Stadt ist es noch schöner.

Beim Einstein kehrten wir auf ein Getränk ein. Mehr war einfach zeitlich nicht drinnen. Die Straßenbahnen verkehren zur nächtlichen Stunde nicht mehr so häufig und um vor dem Ablegen des Schiffes an Bord gehen zu können, mussten wir die nächste Straßenbahn erreichen. Irgendwie hat mir die Wiener Gemütlichkeit gefehlt. Nach einer halben Stunde Fahrt stiegen wir vor dem Bahnhof Nussdorf aus. Entlang der schlecht beleuchteten Uferpromenade wurden wir von einem jungen Mann verfolgt. Etwas Angst hatten wir in der einsamen Gegend schon, von jemandem überfallen zu werden. Aber anscheinend vertrieb ihn der Gestank, der aus den vielen Müllcontainern kam. Die Hitze des Tages setzte den Müll zu und die Abfälle der Kreuzfahrtschiffe verbreiteten den Duft der großen, weiten Welt.

Wir waren froh, wieder an Bord gehen zu können. So wollten wir den Abend nicht ausklingen lassen. Deshalb begaben wir uns an die Heckbar. Es war gegen 23:00 Uhr. Um 23:30 Uhr sollte das Schiff auslaufen. Ich rief Mutti in der Kabine an. Sie war natürlich froh, meine Stimme zu hören. Sie zog sich schnell was über und kam auch noch auf einen Sprung vorbei. Ich war enttäuscht und zornig. Das konnte wohl nicht sein, dass die Kreuzfahrtspassagiere Wien in so unangenehmer Erinnerung behalten würden.

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Tag 9

Erinnerungen an Esztergom

sunny 31 °C

Voller wunderschöner Eindrücke hatten wir bald einen tiefen Schlaf gefunden. Zwischen 6:30 und 9:00 Uhr gab es Frühstück – früher natürlich für jene, die den Ausflug in die Puszta machen würden, etwas später für diejenigen, die die Margareteninsel besuchten und ganz spät für jene, die sich dazu entschlossen hatten, etwas an Bord zu relaxen.

Wir waren etwas später aufgestanden, denn wir meinten, dass es uns gut täte, eine kleine Pause einzulegen. Es war schön, sich beim Frühstück Zeit lassen zu können. Auf dem Sonnendeck fanden wir genügend Platz – Sonne oder Schatten – wie jeder wollte. Aber ein Spaziergang würde uns trotzdem gut tun. Auch war ich neugierig, wie viele Schiffe in der ungarischen Hauptstadt vor Anker lagen. Es war so heiß, dass wir die kurzen Hosen ausführen konnten. Da die Schiffsanleger mitten in der Stadt waren, war auch am Kai viel los. Nachschub aller Art wurde angeliefert. Von der Klopapierrolle bis zum Champagner muss alles besorgt und an Bord der Schiffe gebracht werden.

Eigentlich denkt man immer nur, an das, was gebracht wird; nicht aber daran, dass auch Manches entsorgt werden muss. Bei unserem Spaziergang entlang der Hafenpromenade sahen wir, dass der Kai von Müllcontainern in verschiedenster Größe gesäumt war. Die Gehsteige wurden immer wieder von Schläuchen und Leitungen gequert. Auf dem Sonnendeck eines Schiffes, das vor uns lag, war die Besatzung angetreten. Auf einmal wurden am Heck des Sonnendecks große Behälter geöffnet. Jeder, vom Kellner, über Koch und Zimmermädchen bis zu den Matrosen musste Säcke voller Müll oder Bündel von Altpapier nehmen und damit über die Stiegen zum Ausgang des Schiffes eilen, über den Steg an Land laufen, dort seinen Sack in den Container werfen und sofort umkehren, um wieder die nächste Ladung zu holen, entweder bis der Mülllagerplatz des Schiffes leer war, oder der Container voll. Wir hatten uns nie darüber Gedanken gemacht, wie die Organisation des Schiffes funktioniert. Hier entsorgten fast alle Schiffe ihren Müll, Sperrmüll und Sondermüll. Wahrscheinlich waren die Kosten dafür in Ungarn geringer als in einem der Nachbarländer.

Natürlich mussten manche Schiffe auch ihre Trinkwassercontainer auffüllen. Unser Schiff hatte eine spezielle Trinkwasseraufbereitungsanlage an Bord, womit aus Donauwasser Trink- und Nutzwasser hergestellt werden konnte. Man muss sich nur einmal vorstellen, wieviel Wasser am Abend benötigt werden würde, wenn alle ein Mal duschen! Das Schiff ist wie eine kleine Stadt und an alles muss gedacht werden.

Wir hatten uns als Ziel die Josefbrücke gesteckt. Bis dorthin wollten wir gehen. Zuerst spendete die Kaimauer noch Schatten, danach verlief die Promenade in der prallen Sonne. Bis dorthin hatten wir über zwanzig Schiffe gezählt. Alle hatten aus Respekt vor dem Gastland die ungarische Flagge gehisst. Zusätzlich war auch noch ihre Heimatflagge aufgezogen und so konnten wir feststellen, dass die Schiffe aus ganz Europa kamen. Er herrschte ein reges Treiben. Wir hatten auch am Vortag bemerkt, dass nicht nur Touristen, sondern viele Einheimische in Budapest unterwegs waren. Die Tische vor den Lokalen waren alle besetzt und die Gehsteige und Plätze waren voller Menschen. Als wir zum Schiff zurückkehrten, war über eine Stunde vergangen. Etwas hatten wir noch Zeit, um uns auf dem Sonnendeck auszurasten.

Um 12:15 Uhr mussten wieder alle an Bord sein, denn pünktlich um 12:30 Uhr legte das Schiff ab. Auch Liegegebühren waren teuer und jede Minute kostete. Außerdem musste der Kapitän den Fahrplan einhalten. Carsten würde die Stadtrundfahrt mit dem Schiff vom Wasser aus kommentieren. Die meisten Sehenswürdigkeiten waren von der Donau aus sichtbar. Ein letztes Mal winkten wir noch der Freiheitsstatue am Gellertberg zu, die uns einen Tag lang ihren Schutz gewährte. Als wir unter der grünen Josefbrücke durchgefahren waren, tauchte schon die weiße Elisabethbrücke auf. Dahinter lagen aufgefädelt der Burgpalast, die Matthiaskirche, das Hilton Hotel und die Fischerbastei.

Buda vom Wasser aus

Buda vom Wasser aus

Danach tauchte die älteste Brücke der neun Brücken in der Stadt auf, die Kettenbrücke. Das Bauwerk wird von zwei triumphbogenartigen Stützpfeilern getragen, durch die die eisernen Ketten des 375 Meter langen Brückenkörpers verkaufen. Die Brückenköpfe werden von Löwen bewacht. Hinter der Kettenbrücke erschienen schon die Türme des bekanntesten Wahrzeichens der Stadt, des Parlaments. Es kann den Vergleich an Größe und Schönheit mit den Houses of Parliament an der Themse in London auf jeden Fall Stand halten.

Parlamentsgebäude in Budapest

Parlamentsgebäude in Budapest

Über die gelbe Margaretenbrücke mit Knick kann die 2,5 Kilometer lange Margareteninsel erreicht werden. Wir fuhren entlang dieses Erholungsgebietes mitten in der Stadt und mitten in der Donau. Hier gibt es ausgedehnte Parkanlagen und eines der besten Kur- und Thermalbäder der Stadt. Am gegenüberliegenden Ufer haben die guten Hotelketten ihre Luxushotels gebaut. Man bucht dann ein Hotel in der Stadt und ist trotzdem kilometerweit vom Zentrum entfernt. Die Arpadbrücke und die Eisenbahnbrücke sind die letzten Brücken im Norden der Stadt. Carsten hatte seine Ausführungen über die Sehenswürdigkeiten beendet und lud schon wieder zum Essen ein – diesmal zum ungarischen Mittagessen.

Kurz nach der Margareteninsel beginnt der Duna-Nationalpark. Die Donau teilt sich in einen schmäleren Westarm und den östlichen Hauptstrom. Dazwischen liegt die 38 Kilometer lange Sankt Andrä Insel. Ihr Ende würden wir erst am Ostende des Donauknies kurz unterhalb von Visegrad sehen. Bis dahin würde uns das Naherholungs- und Ausflugsgebiet der Budapester begleiten. Immer wieder sah man Jung und Alt im Wasser der Donau plantschen.

Badestrand an der St. Andrä Insel

Badestrand an der St. Andrä Insel

Angler sah man beim Fischen. In Ungarn hatten die Schulferien schon begonnen. Anscheinend gab es Sommercamps, da man immer wieder Ruderboote voller Kinder sah. Hunde konnten hier nach Lust und Laune das kühle Nass genießen. Die Balken der wunderschönen Villen, die die Ufer säumten waren zum Großteil auch geöffnet.

Strandvillen auf der St. Andrä Insel

Strandvillen auf der St. Andrä Insel

Schon lange bevor wir die Stadt Vac erreicht hatten, sahen wir die ober der Stadt liegende Abbaustätte der DDC Zementwerke. Das Werk verfügt über die qualitativ hochwertigsten und reinsten Kalksteinvorkommen in Ungarn. Das Donau-Drau-Zementwerk produziert jährlich etwa 2,5 Millionen Tonnen Zement und beschäftigt mehr als vierhundert Mitarbeiter.

Gefängnis vor dem Steinbruch von Vac

Gefängnis vor dem Steinbruch von Vac

Die Stadt Vac mit circa 35.000 Einwohnern liegt am Donauknie. Der Steinbruch und eines der größten Gefängnisse Ungarns bieten den Menschen Arbeitsplätze. 1855 wurde das ehemalige Konvikt für Adelige in ein Gefängnis umgebaut. Dieses liegt direkt am Ufer der Donau. Auffällig sind die vielen Kirchtürme, die die Stadt überragen. Sieben Kirchen konnte ich zugleich sehen. Die Kathedrale ist Bischofssitz und die größte der Kirchen. Auffallend war, dass die Ufer innerhalb der Stadt mit hohen Maurern befestigt waren. Anscheinend tritt die Donau hier öfter über die Ufer und die Bevölkerung musste vor Hochwasser geschützt werden.

Kirchen in Vac

Kirchen in Vac

Zwischen schützenden Hügeln, die bis zum Ufer dicht bewaldet sind, liegt Visegrad. Im Mittelalter zogen die ungarischen Herrscher hierher und ließen ein prachtvolles Schloss am Donauufer bauen. Jeder der nachfolgenden Regenten ließ den Palast nach seinen Wünschen umbauen. Während der Türkenherrschaft wurden der Königspalast und die Festung zerstört. 1934 begannen Archäologen mit den Ausgrabungen und der Renovierung der Burg. Auf einem nahegelegenen Hügel steht der sechseckige Salomon Turm, wo der Legende nach Graf Drakula gefangen gehalten wurde. Von ihm aus führt ein Weg zu den gewaltigen Ruinen der Hochburg, von wo aus man einen schönen Blick auf das Donauknie hat.

Burg Visegrad und Salomon-Turm

Burg Visegrad und Salomon-Turm

Geographisch gesehen passiert die Donau im Donauknie eine Art Portal, welches vom Pilis-Berg und vom Csovanyos-Berg gebildet wird. Die Donau wechselt hier in einem fast perfekten 90° Winkel die Fließrichtung von Ost nach Süd. Diese dreißig Kilometer, in welchen die Biegung stattfindet, nennt man das Donauknie. Wasser- und Thermalquellen entspringen in diesen Bergen. Die Plateaubildungen aus ehemaligem Lavagestein laden zu Wandertouren ein. Um den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt zu gewährleisten, wurde der Nationalpark Donau-Ipoly gegründet.

Donauknie

Donauknie

Kurz nach dem Donauknie übernimmt die Donau wieder ihre Aufgabe als Grenzfluss – diesmal zwischen Ungarn und der Slowakai. Auf 172 Kilometern heißt die Donau dann Dunaj. Die Hügel am linken Ufer fielen nicht mehr so steil zur Donau hin ab. Hinter den Bäumen, die einen dichten Uferwald bildeten, konnte man schon von weitem die große Kuppel des Doms von Esztergom sehen. Mutti freute sich auf diese Kirche, deren Kuppel sie anlässlich ihres 50-igsten Geburtstages mit Peter und Paul bestiegen hatte. Immer wieder hatte sie mir von der herrlichen Aussicht, die man von oben hat, vorgeschwärmt.

Esztergom ist die älteste Stadt Ungarns und war bis zum 12. Jahrhundert Sitz der ungarischen Herrscher und Hauptstadt. Sie wird als die Wiege Ungarns bezeichnet. Als im beginnenden zweiten Jahrtausend die Magyaren Ungarn besiedelten, wurde König Stephan I. hier gekrönt. Die weithin sichtbare Basilika von Esztergom ist die größte Kirche Ungarns und die achtzehntgrößte Kirche der Welt. Sie hat eine Höhe von 100 und die Kuppel hat einen Durchmesser von 33 Metern. Im Inneren der Kirche befindet sich das größte, auf einem Stück Leinwand gemalte Altarbild der Welt. Zusätzlich wird in der Domschatzkammer das Corvinus-Prunkkreuz aufbewahrt, das neben der Stephanskrone der wertvollste Besitz Ungarns ist.

Dom von Esztergom

Dom von Esztergom

Die Donaubrücke, die Esztergom mit dem slowakischen Sturovo verbindet, wurde im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen gesprengt und war bis 2001 unpassierbar. Im Jahre 2000 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Maria-Valeria-Brücke dient jetzt wieder als regionaler Grenzübergang in die Slowakei. Als wir um die Flussbiegung fuhren, konnten wir erst das ganze Ausmaß der Kathedrale mit dem Burgberg sehen. Mächtig thront die Kirche hoch auf dem Felsen oben. In der Dombibliothek kann man auch das Originalrezept des berühmten ungarischen Getränkes Unicum besichtigen.

Dom und Burgberg von Esztergom mit der Maria-Valeria-Brücke

Dom und Burgberg von Esztergom mit der Maria-Valeria-Brücke

Der Blick zurück auf Esztergom war noch lange schön. Wir genossen die Aussicht von der Heckbar aus. Wir genehmigten uns einen Aperitif. Um den beginnenden Abend perfekt zu machen, wurde uns noch ein wunderschöner Sonnenuntergang geschenkt.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Wir genossen ihn noch lang, aber die Zeit blieb trotzdem nicht stehen. Wir gingen in die Kabine, um uns umzuziehen. Heute stand der Crewabend auf dem Programm. Nach dem Essen wurde der Speisesaal umgeräumt, um Platz für eine Bühne zu schaffen. Carsten führte in gesticktem Folklorehemd durch das bunte Programm. Katja und Natascha sangen einige Lieder, der Hotelleiter Herr König und Oleg von der Rezeption heiterten uns mit ihren lustigen Sprüchen auf. Die Passagiere, die einen Tanzkurs gewonnen hatten, führten ihre Künste vor. Der Höhepunkt des Programms war sicherlich eine moderne Darstellung von Aschenbuttel. Zum Schluss wurden wir noch von Tatjana, der Küchenchefin, mit Obst am Spieß mit heißer Schokolade verwöhnt.

Crewabend

Crewabend

Danach konnte, wer wollte, noch das Tanzbein schwingen. Während der Nacht würden wir eine gute Strecke des Weges nach Wien zurücklegen und am nächsten Morgen in Österreich aufwachen.

Karte Tag 9

Karte Tag 9

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Tag 8

Budapest, ein Lichtermeer

sunny 32 °C

Mit Mohacs endete die Aufgabe der Donau als Grenzfluss zwischen Serbien und Kroatien. Jetzt kann sie als Duna unbeschwert 417 Kilometer durch Ungarn fließen. Während der Nacht durchfuhren wir die Ungarische Tiefebene, die Puszta, die als letzte ausgedehnte und zusammenhängende Heidelandschaft Mitteleuropas, mit ihren Pferden, Herden von Langhornrindern, Schafen, Gänsen und zehntausenden Zugvögel, seit kurzem zum Welterbe der UNESCO zählt.

Da es heute erst nach dem Mittagessen die Stadtrundfahrt in Budapest geben würde, konnten wir etwas länger schlafen und erst ein wenig später frühstücken. Wir hatten während der Nacht einen Großteil der Fahrstrecke in die ungarische Metropole zurückgelegt. Nach dem Frühstück begaben wir uns auf das Sonnendeck. Es war herrlich warm und der Himmel tiefblau. So machte es Spaß, etwas den Fahrtwind zu genießen. Am linken und rechten Donauufer sah man immer wieder Menschen, die den Sonntag nützten, um ein Picknick am Ufer oder ein Bad im Fluss zu nehmen. Gegen 10:00 Uhr hatten wir Ercsi erreicht. Die kleine Stadt wird überragt von der Kirche der ehemaligen Zisterziensermönchsabtei.

Kirche von Ercsi

Kirche von Ercsi

Ab 10:30 Uhr konnten die zusätzlich an Bord gebuchten Ausflüge bezahlt werden. Da wir gleich bei der Buchung der Kreuzfahrt ein Ausflugspaket mitgebucht hatten, war der Betrag den wir zusätzlich bezahlen mussten, sehr gering. Wir bezahlten dann gleich bar, denn Zahlen macht Frieden. Als wir wieder zum Sonnendeck gingen, kam uns gerade ein Schiff entgegen. Auf dem Fluss selbst sahen wir eigentlich nicht sehr viele Schiffe. Die Hochsaison würde erste ab Mitte Juni beginnen. Trotzdem würden wir an dem Schiffanleger in Budapest sicher eine Menge Nachbarn haben, denn viele Kreuzfahrten starten und enden in dieser Stadt. Viele der 150 Passagierschiffe, die die Donau befahren, fahren gar nicht bis ans Schwarze Meer. Der Frachtverkehr auf der Donau ist sehr stark zurückgegangen; so haben wir auch nur selten Frachter gesehen.

Flusskreuzfahrtschiff auf der Donau bei Budapest

Flusskreuzfahrtschiff auf der Donau bei Budapest

Je näher Budapest heranrückte, desto mehr Kraftwerks- und Industrieanlagen sah man am Ufer. Das Land war aber noch immer sehr flach. Deshalb war auch jeder noch so kleine Hügel von weitem sichtbar. Lange bevor wir die Millionenstadt erreichten, sah ich in der Ferne den Gellertberg, der mit seinen 235 Metern der Hausberg der Budapester ist. Auf seinen steil zur Donau abfallenden Felsen befindet sich nicht nur das Denkmal des heiligen Märtyrerbischofs Gellert, sondern auch die Zitadelle. Der 220 Meter lange und bis zu 60 Meter breite Festungsbau wurde von den Österreichern errichtet, um die Budapester Bevölkerung an die Oberherrschaft Österreichs zu erinnern. Auf der Südspitze dieses Aussichtsberges, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, steht die Freiheitsstatue, die zu Ehren der Soldaten, die Ungarn im Zweiten Weltkrieg befreiten, errichtet wurde. Genau unter dem Gellertberg bei der neuumgestalteten Markthalle fand unser Schiff seinen Ankerplatz.

Gellertberg

Gellertberg

Schon als die erste Brücke auftauchte, sah man dahinter sehr moderne Gebäude auftauchen. Die Stadt mit 1,7 Millionen Einwohnern besteht aus zwei Teilen, nämlich aus Buda und aus Pest, die sich zu beiden Seiten der Donau ausbreiten. Neun Brücken überspannen die Donau und bilden mit den Sehenswürdigkeiten, die die Ufer säumen, ein einzigartiges Stadtbild. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, Budapest mal von der Wasserseite aus kennenzulernen und meine Erwartungen wurden noch bei Weitem übertroffen. Um 12:15 Uhr war das Mittagessen angesetzt und ich konnte es kaum erwarten, das Schiff zu verlassen und mit dem Bus die Stadt zu erkunden.

Josefbrücke, Elisabethbrücke, Burgpalast, Matthiaskirche mit Fischerbastei

Josefbrücke, Elisabethbrücke, Burgpalast, Matthiaskirche mit Fischerbastei

Das Schiff ankerte auf der flacheren Pester Seite. Uns gegenüber lag das Hotel Gellert mit seinem berühmten Thermalbad sowie weiter flussabwärts der Hauptbau der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität mit seinen farbenfrohen Dächern aus Majolikafliesen. Hierher würden wir immer zurückfinden, denn Budapest breitet sich auf einer Fläche von 23 mal 24 Kilometern aus.

Pünktlich um 13:45 Uhr bestiegen wir den Bus zur 3,5 Stunden dauernden Stadtrundfahrt. Vorerst blickten wir nur auf die Prachtbauten der Budaer Seite, die alle wie Perlen aufgefädelt vor uns lagen: der Burgpalast, die Matthiaskirche, da Hilton Hotel und die Fischerbastei. Das Budaer Burgviertel und das Donaupanorama gehören seit 1987 vom UNESCO-Weltkulturerbe. Unter dem Burgviertel verläuft ein Labyrinthsystem, das jetzt aufwendig renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Als wir die Josefbrücke erreichten, bogen wir nach rechts ab und fuhren Richtung Innenstadt. Die 2,5 km lange Andrassy ut, die von üppig ausgestatteten, sechsgeschossigen Miethäusern im Historismus mit Sgraffitimalerei und der Ungarischen Staatsoper gesäumt wird, führte direkt zum Heldenplatz.

Heldenplatz Budapest

Heldenplatz Budapest

Unter der Andrassy ut verkehrt die Budapester U-Bahn. Sie ist die älteste elektrische U-Bahn der Welt und nach der London Underground die zweiälteste überhaupt. Auch am Heldenplatz gibt es eine Haltestelle. Leider hielt unser Bus hier nicht an. Der Platz wird von der Kunsthalle und dem Museum der schönen Künste eingefasst. Auf dem Platz steht die 36 m hohe Milleniumssäule, die von der Statue des Erzengels Gabriel gekrönt wird. Am See dahinter, auf dem man im Sommer Boot fahren und im Winter Eislaufen kann, liegt das Vajdahunyad-Schloss. Gegenüber vom Stadtpark breitet sich das große Gelände des Zoos und das Hotel Gundel aus – berühmt für seine Palatschinken mit Nussfülle. 1913 wurde das neubarocke Szechenyi-Bad fertiggestellt. Wegen der 27 Grad warmen Quelle kann das ganze Jahr über im Freien gebadet werden. Budapest hat eine lange Tradition als Thermalbadeort. Der vornehme Eingang zu diesem Bad kann sich sehen lassen.

Szechenyi Bad

Szechenyi Bad

Vom Gebiet des Stadtwäldchens kehrten wir wieder über den Heldenplatz und die Andrassy ut in den Stadtkern zurück. Die Prachtstraße kreuzt den achteckigen Platz Oktagon, wo mehrere Stadtbezirke aufeinandertreffen. Dann endlich gelangten wir über eine der ältesten Brücken der Stadt, die Margaretenbrücke, auf die Budaer Seite der Stadt. Eine Besonderheit der Margaretenbrücke ist, dass sie aus zwei Teilen mit je drei Segmentbögen besteht, die sich auf der Margareteninsel treffen und dort einen Winkel von 150 Grad bilden. Auch beim Befahren der Brücke merkt man diesen Knick. Von dieser Seite aus konnten wir einen ersten Blick auf das Parlament erhaschen. Der Ausblick über die Stadt sollte aber noch schöner werden, desto höher wir auf den Burghügel hinauffuhren.

Margaretenbrücke mit dem Parlament im Stadtteil Pest

Margaretenbrücke mit dem Parlament im Stadtteil Pest

Als wir die höchste Stelle des Burgviertels erreicht hatten, machte der Bus Halt. Eine Stunde würden wir Zeit haben für einen kleinen Rundgang mit unserer Stadtführerin und für eine Kaffeepause. Im Burgviertel Var befanden wir uns eigentlich auf einer Großbaustelle und es war gar nicht so leicht, zur Matthiaskirche zu gelangen. Das bunte Majolikadach stand in starkem Kontrast zu den strahlend weißen Wänden der hochaufragenden Kirche. Der höchste Turm ist der Matthiasturm, welcher ursprünglich im 15. Jahrhundert erbaut und nach dem Herrscher der damaligen Zeit, König Matthias Corvinus, benannt wurde. Sein Wappentier ist der Rabe und der schmückt, einen Ring im Schnabel haltend, einen der weiteren Türme. Die Kirche ist auch als Krönungskirche bekannt. Hier wurde Kaiser Franz Joseph I zum König von Ungarn gekrönt. Den davorliegenden Dreifaltigkeitsplatz ziert eine Pestsäule. Neben der Kirche erhielt die Hotelkette Hilton die Erlaubnis ein 5-Sterne Hotel zu bauen. Jedoch mussten die Außenmauern des alten Klosters erhalten werden. In der Glasfront der Vorderseite spiegelt sich die Fischerbastei.

Matthiaskirche am Dreifaltigkeitsplatz mit den Hilton Hotel

Matthiaskirche am Dreifaltigkeitsplatz mit den Hilton Hotel

Die Fischerbastei erhebt sich auf dem Burgberg an der Stelle des mittelalterlichen Fischmarkts von Buda. Das etwas märchenhaft anmutende Bauwerk, das mit seinen konischen Türmen an die Zelte der Magyaren erinnern soll, wird als Aussichtsplattform über der Stadt genutzt. Vor der Bastei steht eine Bronze-Reiterstatue von König Stephan I, dem Heiligen, der das Christentum in Ungarn verbreitete.

Fischerbastei mit Matthiaskirche bei Nacht

Fischerbastei mit Matthiaskirche bei Nacht

Hier endete unsere Führung im Burgviertel. Wir hatten noch Zeit die wunderschöne Aussicht zu genießen, bevor wir auf der Terrasse des Hilton Hotels Platz nahmen und einen Eiskaffee genossen. Mutti hatte noch einen Zweitausend Forint Schein in ihrer Tasche gefunden und lud zu dieser Köstlichkeit ein. Mittlerweile war auch das Thermometer auf 32 Grad angestiegen und da tat die Rast im Schatten der Markise gut.

Blick auf den Stephansdom, Budapest

Blick auf den Stephansdom, Budapest

Nach der Pause nahmen wir einen anderen Weg zurück zu der Stelle, wo uns der Bus abholen würde. Im Burgviertel gab es keinen Parkplatz mehr für die großen Busse. Sie dürfen nur noch die Gäste kurz aussteigen lassen. Der Berg konnte die Masse von Bussen einfach nicht mehr bewältigen. Von der Westseite des Burghügels warfen wir noch einen Blick auf den benachbarten Gellertberg. Dieser war der letzte Stopp auf unserer Rundfahrt durch die Stadt.

Blick auf den Gellertberg von der Fischerbastei aus

Blick auf den Gellertberg von der Fischerbastei aus

Ich konnte mich nicht entscheiden, ob der Blick von der Fischerbastei aus oder vom Gellertberg aus auf die darunterliegende Stadt schöner war. Von der Zitadelle aus hat man einen wunderschönen Blick auf das ehemalige königliche Schloss. Der Burgpalast beherbergt die Nationalbibliothek, die Nationalgalerie sowie das Historische Museum. Neben der Burg hat im klassizistischen Sandor-Palais der ungarische Staatspräsident seinen Sitz.

Burgpalast mit Matthiaskirche

Burgpalast mit Matthiaskirche

Von unter der Freiheitsstatue, die schützend ihre Hand über die Stadt hält, konnte man unser Schiff sehen, das bereits auf uns wartete. Im Hintergrund konnte man das für die Fussball EM neuerbaute Stadium sehen, für dessen Bau große Teile des Gesundheitsbudgets ausgegeben wurden. Den Abschluss der Stadt bildete eine Kette von Wolkenkratzern.

MS Wolga liegt vor Anker in Budapest

MS Wolga liegt vor Anker in Budapest

Über die weiße Elisabethbrücke gelangten wir wieder auf die Pester Seite der Stadt. Kaiserin Sissy von Österreich wurde von den Ungarn sehr verehrt. Wir waren froh, wieder an Bord gehen zu können. Wir mussten die gesammelten Eindrücke erst mal verdauen. Um uns etwas abzukühlen, entschlossen wir uns, ein wenig baden zu gehen – Mutti ließ sich von der Dusche berieseln und ich schwamm ein paar Runden im kleinen Schwimmbecken am Sonnendeck. So eine vornehme Kulisse beim Baden hatte ich schon lange nicht mehr.

Um 16:00 Uhr gab es Kaffeezeit im blauen Salon. Kurz danach schon das Abendessen. Viele Passagiere hatten sich dazu entschlossen, an der Lichterfahrt durch die ungarische Hauptstadt teilzunehmen. Um 20:00 Uhr startete unsere nächtliche Tour durch die Stadt. Sofort überquerten wir den Fluss und fuhren direkt an der Donaupromenade zu einem der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Das Parlament ist Ungarns größtes Bauwerk und der ständige Sitz des Landtages. Der neugotische Gebäudekomplex entstand zwischen 1884 und 1902 nach den Plänen von Imre Steindl. Die Anlage hat 691 Räume, ist 268 Meter lang und die Kuppel ist 96 Meter hoch. Im Gebäude wird nicht nur Politik gemacht, sondern hier kann man seit dem Jahre 2000 die ungarischen Krönungsinsignien, den Reichsapfel, das Schwert, die Stephanskrone und das Zepter besichtigen.

Ungarische Parlamentsgebäude

Ungarische Parlamentsgebäude

Die Route war dann ähnlich der, die wir bereits Mittag zurückgelegt hatten. Die auffällige Glasfassade des Budapester Westbahnhofes, vom dem aus auch die Züge nach Wien losfahren, war hell erleuchtet. Die aus Stahl und Glas errichtete Mittelhalle wurde vom berühmten französischen Architekten Gustave Eifel entworfen. Wieder fuhren wir die Andrassy ut zum Heldenplatz hinunter. Die Milleniumssäule in der Mitte des Platzes erstrahlte wie eine große Kerze. Eigentlich wollte ich gar nicht fotografieren, denn ich hatte ja schon alles in der Kiste. Doch das Lichtkonzept ließ die Gebäude und Brücken durch die Stadt so anmutig erscheinen, dass ich doch wieder einige Bilder schießen musste.

Kettenbrücke und Margaretenbrücke schließen das Parlament ein

Kettenbrücke und Margaretenbrücke schließen das Parlament ein

Bei der abendlichen Rundfahrt gab es zwar keinen Halt im Burgviertel, jedoch blieben wir kurz unterhalb der Fischerbastei stehen. Diese wetteiferte mit der Matthiaskirche, wer wohl heller erstrahlen möge.

Budapester Schloss, Matthiaskirche und Fischerbastei

Budapester Schloss, Matthiaskirche und Fischerbastei

Eine der schönsten Aussichten auf das beleuchtete Budapest hatte man dann von der Aussichtsplattform vor der Zitadelle. Hier überblickte man fast alle beleuchteten Prachtbauten. Budapest hatte sich wirklich von seiner schönsten Seite gezeigt. Ich kann nur jedem empfehlen, die Stadtrundfahrt nicht nur bei Tag sondern auch in der Nacht zu machen. Am Schiff wurden wir dann nochmals mit einem traumhaften Blick auf den Gellertberg überrascht. Man fühlte sich wirklich so, als ob man von der Stadt umarmt werden würde.

Budapest mit Gellertberg bei Nacht

Budapest mit Gellertberg bei Nacht

Die Nacht würde ruhig werden, denn wir würden sie fest vertäut an der Anlegestelle verbringen.

Posted by fegoesdonau 00:54 Archived in Hungary

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