A Travellerspoint blog

Tag 6

Belgrad, die serbische Hauptstadt am Zusammenfluss der Donau und Save

sunny 28 °C

Während der Nacht hatten wir die rumänisch-serbische Grenze passiert. Rumänien hat mit 1.075 Kilometern den längsten Anteil an der Donau. Wir hatten die Dunarea verlassen und befanden uns jetzt auf der Dunav, wie die Donau in Serbien auf 587 Kilometern heißt. Belgrad liegt zwar direkt an der Donau – es gibt hier allerdings wenige Möglichkeiten anzulegen. Die serbische Hauptstadt liegt aber auch am Zusammenfluss von Save und Donau. Am Ankerplatz an der Save legten wir gegen 3:00 Uhr morgens an.

Schon ab 6:30 Uhr gab es Frühstück. Um 8:00 Uhr würde der Ausflug beginnen. Vorerst mussten wir wieder warten, bis die serbischen Behörden das Schiff freigegeben hatten. Da Serbien nicht Mitglied der EU ist, mussten wir unsere Zimmerschlüssel gegen die Reisepässe tauschen und diesen mitnehmen, wenn wir von Bord gingen. Vom Angeleger aus könnten wir in zehn Minuten die Festung Klemegdan, das bedeutendste Bauwerk und das berühmteste Wahrzeichen Belgrads, zu Fuß erreichen. Doch bestiegen wir vorerst den Bus zur Stadtrundfahrt, die circa 3,5 Stunden dauern würde.

Belgrad hat circa 1,7 Millionen Einwohner und ist eine sehr moderne Stadt. Dies wohl auch deshalb, weil sie seit der Antike fast 50 Mal in verschiedenen Kriegen zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Zuerst fuhren wir den Hang hinauf in das alte Serbische Viertel. Der Fürstenhof der Prinzessin Ljubica ist heute ein Museum, das Einblicke in das Leben der wohlhabenden serbischen Bevölkerung des 18. Jahrhunderts gibt.

Belgrader Fürstenhof

Belgrader Fürstenhof

Vorbei am Marktgelände und dem schönen Hotel Moskau gelangten wir zum Belgrader Rathaus, das in einem schönen, alten Palais untergebracht ist. Der Platz davor und der anschließende Park, hatten immer wieder für Kundgebungen gedient. Auf der anderen Straßenseite erstreckt sich das große Gebäude des Parlamentes.

Belgrader Rathaus

Belgrader Rathaus

Nicht alle Spuren des Krieges wurden beseitigt. Gerade dieses Viertel wurde im Balkankrieg stark bombardiert. Als Mahnmal sieht man die Spuren der Zerstörung und Verwüstung noch immer an den Trümmern des alten Verteidigungsministeriums.

Altes Verteidigungsministerium

Altes Verteidigungsministerium

Unmittelbar daneben liegt die alte US-Botschaft. Alle Fenster des Hauses sind nicht nur vergittert, sondern sicherheitshalber auch noch zugemauert. Die Botschaft wurde in einem Außenbezirk neu errichtet und vor kurzem bezogen. In diesem Villenviertel liegt in einem grünen Park das Mausoleum von Josip Broz Tito. Im anschließenden „Jugoslawien Museum“ kann man mehr über die kommunistische Vergangenheit Serbiens erfahren.

Auf dem Vracar Plateau im Süden der Stadt, von überall gut sichtbar, wurde und wird noch immer mit Spendengeldern eine der größten Kirchen der Welt erbaut. Der Dom des Heiligen Sava wurde auf einem 134 Meter hohen Hügel errichtet, dort wo die Überreste dieses Heiligen angeblich verbrannt wurden. Die Flächenmaße der Kirche selbst betragen 91 mal 81 Meter. Samt ihrer riesigen Emporen bietet sie Platz für bis zu 12.000 Gläubige. Außen ist die Serbisch-orthodoxe Kirche vollkommen mit weißem Marmor verkleidet. Mit der Zeit sollen die einfachen Holztore gegen Eingangstüren mit Bronzereliefs ausgetauscht werden. Die Innenwände sind zum Großteil auch noch roh, sollen aber mit Mosaiken verkleidet werden. Ebenso soll der Betonboden mit Granitintarsien ausgelegt werden. Heiligenbilder waren überall aufgestellt. Gläubige Orthodoxe betraten die Kirche, gingen sofort zu einem dieser Bilder, küssten sie und warfen ihre Spende ein. Man kann nur hoffen, dass der Glaube dieser Menschen, zur Vollendung dieses Kunstwerkes führen wird.

Dom des Heiligen Sava

Dom des Heiligen Sava

Eigentlich war es wieder recht warm geworden. Deshalb hatten wir die Kühle des Doms auch als sehr angenehmen empfunden. Es war Zeit, eine kleine Pause zu machen. Wieder waren wir in einem Nicht-Euro-Land. Deshalb war ein Besuch in einem Lokal in der Fußgängerzone im Ausflug inkludiert. Unsere Tischnachbarn probierten ein serbisches Bier und ich einen serbischen Kaffee, der dem türkischen sehr ähnelte und einen dicken Satz in der kleinen Kaffeetasse hinterließ. Das dunkle Restaurant mit Kristalllustern, das wohl noch aus Titos Zeiten stammte, hatte aber sehr modern ausgestattete Toiletteanlagen, die wir benutzen konnten. Wir schlenderten zurück zum Belgrader Nationalmuseum, das seit Jahren renoviert wird, wo der Bus auf uns wartete.

Belgrader Nationalmuseum

Belgrader Nationalmuseum

Als letzter Halt auf unserer Rundreise durch die Stadt war die Besichtigung des wichtigsten historischen Bauwerks geplant – die auf einem Plateau über der Stadt gelegene Festung Kalemegdan. Der Spaziergang durch die Burganlage würde circa 45 Minuten dauern. Die Festung steht an der Grenze der Pannonischen Tiefebene und der südosteuropäischen Gebirgshalbinsel und liegt an der Kreuzung der wichtigsten Straßen- und Flussverbindungen der Antike. Neben Wällen, Bastionen, Türen und Toren sind die zahlreichen Monumente sowie zwei Kirchen und das Militärhistorische Museum die touristischen Anziehungspunkte der Anlage.

Festung Kalemegdan, Belgrad

Festung Kalemegdan, Belgrad

Heute ist der Kalemegdan einer der größten und schönsten Parkanlagen Belgrads und ein Naherholungsgebiet für die Bewohner der Stadt. Früher, als die Festung die wichtigste militärische Anlage der Stadt darstellte, diente der Park als Beobachtungspunkt von welchem aus der Feind zum Kampf erwartet wurde. Den herrlichsten Panoramablick auf den Zusammenfluss von Save und Donau und Neubelgrad kann man vom Monument der Dankbarkeit aus genießen. Man kann sogar den Flusskilometer „Null“ der Save sehen.

Mündung der Save in die Donau

Mündung der Save in die Donau

Unsere Schiffsanlegestelle lag unter diesem Burghügel und so dauerte die Rückfahrt zum Schiff nicht lange. Schon um 12:00 Uhr gab es Mittagessen im Restaurant, denn es wurde ein Nachmittagsausflug nach Topola angeboten. Dort soll es eine sehr sehenswerte serbisch-orthodoxe Kirche geben. Uns reichte es allerdings ein Mal am Tag von Bord zu gehen. Nachmittag wollten wir es uns am Sonnendeck gemütlich machen. Zum Mittagsschlaf fanden wir ein schattiges Plätzchen. Danach war Lesen und Sudoko angesagt bis wir um 16:00 Uhr durch Karstens sanfte Stimme zu Kaffee und Kuchen geladen wurden.

Zuerst wollte ich nach dem Kaffee an Land gehen, aber die nahegelegene Burg hatten wir schon Vormittag besichtigt. Die Fußgängerzone würde an einem Freitagnachmittag voller Leute sein – also legten wir uns wieder in einen Liegestuhl und ließen uns von der Sonne bescheinen. Abendessen gab es auch schon um 18:30 Uhr, da noch ein Abendausflug angeboten wurde. Belgrad bei Nacht konnten wir von Bord aus schön beobachten, gegessen hatten wir genügend und die Folkloredarbietungen wollten wir uns auch schenken.

Sobald alle Gäste ihre Reisepässe wieder gegen den Kabinenschlüssel getauscht hatten, konnte das Schiff ablegen. Wir wollten das Ablegen und Auslaufen des Schiffes nicht versäumen, da das Lichtkonzept der serbischen Hauptstadt wirklich toll ist. Einige Passagiere hatten die Nacht zuvor nicht sehr gut geschlafen. Wir hatten gegen 3:00 Uhr angelegt und da gab es ein dumpfes Grollen. Jetzt sahen und hörten wir wieso. Am gegenüberliegenden Ufer war die Partymeile. Hier gab es sechs große Diskotheken, die auf Booten untergebracht waren, alle in verschiedenen Farben flackernd und mit lautstarker Musik versehen. Es kam einem vor, als ob die Bässe das Schiff erschüttern würden. Jetzt war auch der eigenartige Lärm der Nacht geklärt.

Belgrad bei Nacht

Belgrad bei Nacht

Kaum war der letzte Passagier an Bord, legten wir ab. Wir waren nicht die Einzigen, die das Wendemanöver des Schiffes vom Sonnendeck aus beobachteten. Unser Schiff stand in voller Länge quer über die Save und blockierte für kurze Zeit den Schiffsverkehr. Die Brücke hinter uns war hell erleuchtet, ebenso wie die Hafenkirche und die Festung. Als wir von der Save in die Donau eingefahren waren, wollten wir eigentlich in unsere Kabine. Karsten war vor der Rezeption und fing uns ab. Er sagte uns, dass die Heckbar windgeschützt sei und dass die Aussicht noch lange so schön sein würde. Er lud uns ein, dort noch etwas trinken. So begleitete uns der Tourmanager zum Heck des Schiffes. Wir nahmen Platz, bestellten und genossen noch lange die Aussicht.

Posted by fegoesdonau 00:52 Archived in Serbia

Email this entryFacebookStumbleUpon

Table of contents