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Tag 7

Grüße aus der Heimat

sunny 31 °C

Nachdem wir in der Nacht Novi Sad passiert hatten, überquerten wir bei Kilometer 1288 auf der linken Uferseite die serbisch-kroatische Grenze. Die Donau, bzw. hier Dunav, bildet dann für circa 138 Kilometer die Grenze zwischen Serbien und Kroatien. Heute werden wir Grüße aus der Heimat erhalten, denn wir passieren die Stelle, wo die Drau, unser größter Kärntner Fluss, in die Donau mündet. Durch den Kosovo-Krieg gelangte die Brücke von Novi Sad zur traurigen Berühmtheit. Erst seit 2005 kann die Donau wieder durchgehend von Kreuzfahrtschiffen befahren werden.

Nach dem Frühstück erreichten wir die Stadt Vukovar. Von weitem war der zerschossene Wasserturm sichtbar, der in diesem Zustand als Mahnmal erhalten bleiben soll. Ende der 1980er Jahre gab es zunehmende Spannungen zwischen Serben und Kroaten. Die Extremen unter ihnen bewaffneten sich und 1991 kam es zu Auseinandersetzungen, wobei in der Schlacht um Vukovar bis zu 8000 Granaten täglich mit insgesamt sechs Millionen Geschossen einschlugen.

Der Stadtkern von Vukovar ist ein Kleinod barocker Baukunst. Das Schloss der Grafen von Eltz und das Franziskanerkloster wurden in mühevoller Kleinarbeit renoviert und zum Teil wieder aufgebaut. Trotzdem sahen wir bei der kurzen Stadtrundfahrt noch immer viele Spuren der totalen Verwüstung – auch wenn man versucht, sie mit Blumen schön zu schmücken.

Spuren des Krieges in Vukovar

Spuren des Krieges in Vukovar

Von Vukovar aus beginnt der Busausflug durch die weite Ebene Slawoniens nach Osijek, der Hauptstadt dieser fruchtbaren Gegend an der Mündung des Flusses Drau in die Donau. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit um die Jahrhundertwende. Der Einfluss der habsburgischen bzw. westeuropäischen Architekten ist allgegenwärtig: bei den romantischen Schlössern, der römisch-katholischen Peter- und Paulskirche oder bei den pastellfarbenen Bürgerhäusern mit Stuckverzierungen und schlanken Türmchen im Zentrum von Osijek. Es war nicht zu übersehen, dass sich die Stadt selbst deutlich schneller von den Zerstörungen des Krieges erholt hat, als die Vororte oder auch Vukovar. Dies macht auch das ganz besondere Flair Osijeks aus.

Den Bus parkten wir an der Stadtmauer. Nur kurz war der Weg bis zur Fußgängerzone am Hauptplatz. Trotzdem suchten wir immer wieder ein schattiges Plätzchen, da die Temperaturen mittlerweile auf etwa 30 Grad angestiegen waren. Am Hauptplatz hatten viele Kneipen Tische und Bänke aufgestellt und unter den Schirmen im Schatten genehmigten sich viele Bewohner ein kühles Getränk. Außerdem war gerade Markttag. Viele Handwerker boten ihre Erzeugnisse an. Besonders gut haben mir die Fliegenpilze aus Holz gefallen und eine Blumenfrau, die ihre Sträuße aus haltbaren Holzblumen band.

Markt am Hauptplatz von Osijek

Markt am Hauptplatz von Osijek

Einige Sänger und Musikanten traten in ihren typischen Trachten auf. Wir hatten eine halbe Stunde Zeit eine Runde durch die verschiedenen Stände zu machen und dabei den Klängen der Volksmusik zu lauschen. Ein Musiker spielte auf eine Art Dudelsack, der wie ein Schwein aussah. Wir waren froh, als wir die Gruppe unter den Bäumen im Schatten wartend fanden.

Folkloredarbietungen in Osijek

Folkloredarbietungen in Osijek

Wir setzten unseren Stadtrundgang fort. Vorbei am Kloster gelangten wir zur alten Stadtmauer am Ufer der Drau. Am gegenüberliegenden Ufer konnte man Bunker sehen. Hier wurde während des Kosovo Krieges Munition gelagert.

Kloster und Stadtmauer am Drauufer, Osijek

Kloster und Stadtmauer am Drauufer, Osijek

Irgendwie fühlte ich mich heimisch – hier am Ufer der Drau. Vier Jahre lang führte mich während meiner Schulzeit fast täglich mein Schulweg über die Drau. Auch hier gab es nicht nur eine Straßenbrücke, sondern auch eine Eisenbahnbrücke über die Drau. Es gab eine schöne Drau Promenade und einen Radweg entlang des Flusses. Ebenso gibt es hier ein Strandbad und kleine Cafes und Bars.

Draupromenade Osijek

Draupromenade Osijek

Als wir zum Bus zurückkehrten, plagte uns der Durst. Leider hatte der Busfahrer kein Mineralwasser zu verkaufen. Durch starkbefahrene, enge Gassen gelangten wir von der Altstadt in den neueren Teil der Stadt. Auf einem Parkplatz vor einem großen Einkaufszentrum hielt der Bus. Die Reiseleiterin war denen behilflich, die keine Kuna oder die keine Bankomat- oder Kreditkarte hatten, etwas zu trinken zu kaufen. Da erst merkt man, wie verwöhnt wir schon vom Euro sind. Ich kaufte bei DM eine Flasche Rauch Eistee mit meiner Bankomatkarte, was sehr gut funktionierte.

Die Stadt war sehr belebt. Sie ist mit 114.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Kroatiens. Hier gibt es breite Plätze und herrschaftliche Häuser, die großteils nach den Kriegswirren 1991 wieder hergerichtet wurden. An vielen neugestrichenen Fassaden sieht man rote Flecken. Einschusslöcher sind drunter sichtbar. Sie wurden quasi als Mahnmal so belassen.

Einschusslöcher Bürgerhaus Hauptplatz Osijek

Einschusslöcher Bürgerhaus Hauptplatz Osijek

Das Zentrum der Stadt wird vom Kirchturm der Peter und Paul Kirche überragt. Für den Bau der Kirche wurden 3,5 Millionen Backsteinziegel verwendet. Die bunten Glasfenster lassen ein warmes Licht in den Innenraum. Die Altäre auf der rechten Seite sind bemalt. Für die Bemalung der Altäre auf der linken Seite war kein Geld mehr vorhanden.

Peter und Paul Kirche Osijek

Peter und Paul Kirche Osijek

Nur etwa eine Stunde dauerte die Rückfahrt nach Vukovar. Wieder fuhren wir durch viele kleine Dörfer. Immer wieder sah man Storchennester auf den Kaminen und Telefonmasten. Die großen Felder waren flach und das Getreide leuchtete schon goldig. Auf dem Parkplatz vor dem Schiffsanleger spielten Musikanten auf. Die lustigen Melodien ließen uns etwas vergessen, dass es noch nicht so lange her ist, dass hier noch ein Krieg getobt hatte.

Kaum waren wir am Bord, wurden wir schon wieder eingeladen, im Restaurant Platz zu nehmen. Ich hatte während des Essens keine Ruhe, denn ich wollte nicht übersehen, wo die Drau in die Donau mündet. Da wir von Osijek nach Vukovar nur eine Stunde mit dem Bus benötigt hatten, würde die Stelle wohl bald auftauchen. Man sah nirgends einen Fluss münden. Nach dem Essen ging ich zur Rezeption und fragte Karsten, ob er wüsste, wo die Drau in die Donau münden würde. Schnell bekam ich eine Antwort: „Bei Flusskilometer 1.382,5“. So setzte ich mich an die linke Seite des Schiffes und beobachtete die vorbeiziehenden Flusskilometer.

Karte Tag 7

Karte Tag 7

Bei der Stadt Bogojevo tauchte eine blaue Brücke vor uns auf. Erst als wir näher kamen, sah man, dass es zwei Brücken waren, die alte Eisenbahnbrücke und eine neue Autobahnbrücke.

Brücken bei Bogojevo

Brücken bei Bogojevo

Links tauchte dann eine kleine Befestigungsanlage auf –aber noch immer keine Spur von der Drau. Inzwischen war es schon 16:30 Uhr und Karsten lud zu Kaffee und Kuchen und einem ukrainischen Bazar in das Restaurant. Das Servicepersonal war in Tracht und es gab landestypische Mehlspeisen.

Ukrainische Mehlspeisen

Ukrainische Mehlspeisen

Schnell trank ich einen Schluck Tee und nahm ein Stück Kolac. Wir waren bereits bei Stromkilometer 1.380 angelangt. Im kleinen Dorf Aljmas, nahe der Mündung der Drau in die Donau befindet sich seit 1687 die Wallfahrtskirche zur „Muttergottes der Zuflucht“. Jedoch wurde diese Kirche drei Mal zerstört und wiederaufgebaut – 1993 im Kroatienkrieg zum letzten Mal. Die Marienstatue blieb jedoch immer unbeschädigt. Im Jahre 2001 begann man mit dem Bau der vierten Kirche, der modernsten Kirche Kroatiens, in der Form eines Schwanes. Im Schwanenhals befindet sich der Glockenturm der Kirche mit drei Glocken. Dahinter verläuft der 480 m lange Kreuzweg auf den Kalvarienberg mit 14 großen Holzkreuzen.

Wallfahrtskirche Aljmas mit Kalvarienberg

Wallfahrtskirche Aljmas mit Kalvarienberg

An den Hügeln gab es wunderschöne, moderne Villen und dann nur noch mit Laubbäumen bedeckte Hügel. Erst zu Hause auf der Landkarte sah ich, dass die Donau von Vukovar bis Osijek viele Flussbiegungen macht und daher hat es sehr lange gedauert, bis wir das Mündungsgebiet erreicht hatten. Dann endlich bei Flusskilometer 1.382,5 hatten wir die Mündung der Drau in die Donau erreicht.

Mündung der Drau in die Donau

Mündung der Drau in die Donau

Mit 749 Kilometern ist die Drau der viertgrößte Nebenfluss der Donau. Das Auenschutzgebiet des Biosphärenreservates Donau-Drau-Mur von Slowenien, Serbien, Ungarn, Kroatien und Österreich beginnt etwa 30 Kilometer nach der steirischen Grenze an der Mur und erstreckt sich bis zum Zusammenfluss der Drau mit der Donau bei Osijek. Besonderen Schutz erhielt der kroatische Teil des Nationalparks ungewollter Weise in den letzten 20 Jahren. Die Wirren des Krieges und die teilweise Verminung der Gegend trugen dazu bei, dass sich die Natur in diesem Gebiet sehr stark regenerieren konnte. Ich konnte dann um 17:16 Uhr sogar ein Foto vom Kilometer „Null“ schießen.

Flusskilometer 0 am Zusammenfluss der Drau mit der Donau

Flusskilometer 0 am Zusammenfluss der Drau mit der Donau

Nach dieser anstrengenden Fotosafari, bei der mit sehr viel Sehnsucht die Flaschenpost in der Drau erwartet wurde, gab es einen Diavortrag über die letzten Ausflüge dieser Reise in Wien und Melk. So schnell war die Zeit vergangen und wir hatten bereits die Hälfte der Tage unserer Reise zurückgelegt. Im Abendlicht spiegelte sich die serbisch-orthodoxe Kirche von Apatin in den Fluten der Donau wieder. Neben der Kirche lag das riesige Gelände der Brauerei Apatinska. 1748 wurde hier die erste römisch katholische Kirche Maria Himmelfahrt gebaut. Anschließend erfolgte die Ansiedlung von Donauschwaben. Sie gründeten dann 1756 die Brauerei. Außerdem war die Stadt für die Donaumühlen bekannt. Es handelte sich dabei um Schiffsmühlen, die Stahlwalzen als Mahlwerk hatten.

Apatin

Apatin

Danach gingen wir in die Kabine und zogen uns für das Abendessen um. Während wir die Nachspeise aßen, bereitete sich ein wunderschöner Sonnenuntergang darauf vor, von uns gewürdigt zu werden. Es ist immer wieder erstaunlich für mich, welche Rot- und Lilatöne die Natur hervorbringen kann.

Sonnenuntergang an der Donau

Sonnenuntergang an der Donau

Heute mussten wir noch aufbleiben, bis wir die ungarische Grenze bei Mohacs erreichen würden. An dieser Shengen Außengrenze war der ungarische Zoll verpflichtet, die EU-Passkontrolle vorzunehmen. Die Zeit bis dahin würden wir uns bei der Wodkaprobe im Speisesaal vertreiben. Der Schiffsmanager Herr König würde wieder lustige Gedichte vortragen, Witze erzählen und vier verschiedene ukrainische Wodkasorten präsentieren. Katja von der Rezeption und Natascha vom Bordladen gaben einige Lieder zum Besten. Zum Wodka gab es Blinis mit Kaviar. Da ich allerdings kein großer Wodkafan bin, entschied ich mich einen Martini zu trinken.

Wodkaprobe mit Alexander König

Wodkaprobe mit Alexander König

Gerade als die Veranstaltung fertig war, legten wir in Mohacs an. Das Fotografieren war strengstens verboten. Wir sollten zu dieser Nachtzeit – immerhin war es schon nach 22:00 Uhr – zu den Zollbeamten sehr freundlich sein. Dann würde die Kontrolle viel schneller gehen. Zuerst fand die Kontrolle der Crew statt, die Passagiere mussten deckweise zur Rezeption. Dort erhielten wir unsere Pässe und mussten vor die Zollbeamtin treten, die unsere Identität feststellte. Die Einreise verlief schnell und reibungslos. Danach konnten wir in die Kabine und legten uns nun zum ersten Mal auf dieser Reise in Ungarn ins (noch immer gleiche) Bett.

Posted by fegoesdonau 00:53 Archived in Croatia

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