A Travellerspoint blog

Tag 8

Budapest, ein Lichtermeer

sunny 32 °C

Mit Mohacs endete die Aufgabe der Donau als Grenzfluss zwischen Serbien und Kroatien. Jetzt kann sie als Duna unbeschwert 417 Kilometer durch Ungarn fließen. Während der Nacht durchfuhren wir die Ungarische Tiefebene, die Puszta, die als letzte ausgedehnte und zusammenhängende Heidelandschaft Mitteleuropas, mit ihren Pferden, Herden von Langhornrindern, Schafen, Gänsen und zehntausenden Zugvögel, seit kurzem zum Welterbe der UNESCO zählt.

Da es heute erst nach dem Mittagessen die Stadtrundfahrt in Budapest geben würde, konnten wir etwas länger schlafen und erst ein wenig später frühstücken. Wir hatten während der Nacht einen Großteil der Fahrstrecke in die ungarische Metropole zurückgelegt. Nach dem Frühstück begaben wir uns auf das Sonnendeck. Es war herrlich warm und der Himmel tiefblau. So machte es Spaß, etwas den Fahrtwind zu genießen. Am linken und rechten Donauufer sah man immer wieder Menschen, die den Sonntag nützten, um ein Picknick am Ufer oder ein Bad im Fluss zu nehmen. Gegen 10:00 Uhr hatten wir Ercsi erreicht. Die kleine Stadt wird überragt von der Kirche der ehemaligen Zisterziensermönchsabtei.

Kirche von Ercsi

Kirche von Ercsi

Ab 10:30 Uhr konnten die zusätzlich an Bord gebuchten Ausflüge bezahlt werden. Da wir gleich bei der Buchung der Kreuzfahrt ein Ausflugspaket mitgebucht hatten, war der Betrag den wir zusätzlich bezahlen mussten, sehr gering. Wir bezahlten dann gleich bar, denn Zahlen macht Frieden. Als wir wieder zum Sonnendeck gingen, kam uns gerade ein Schiff entgegen. Auf dem Fluss selbst sahen wir eigentlich nicht sehr viele Schiffe. Die Hochsaison würde erste ab Mitte Juni beginnen. Trotzdem würden wir an dem Schiffanleger in Budapest sicher eine Menge Nachbarn haben, denn viele Kreuzfahrten starten und enden in dieser Stadt. Viele der 150 Passagierschiffe, die die Donau befahren, fahren gar nicht bis ans Schwarze Meer. Der Frachtverkehr auf der Donau ist sehr stark zurückgegangen; so haben wir auch nur selten Frachter gesehen.

Flusskreuzfahrtschiff auf der Donau bei Budapest

Flusskreuzfahrtschiff auf der Donau bei Budapest

Je näher Budapest heranrückte, desto mehr Kraftwerks- und Industrieanlagen sah man am Ufer. Das Land war aber noch immer sehr flach. Deshalb war auch jeder noch so kleine Hügel von weitem sichtbar. Lange bevor wir die Millionenstadt erreichten, sah ich in der Ferne den Gellertberg, der mit seinen 235 Metern der Hausberg der Budapester ist. Auf seinen steil zur Donau abfallenden Felsen befindet sich nicht nur das Denkmal des heiligen Märtyrerbischofs Gellert, sondern auch die Zitadelle. Der 220 Meter lange und bis zu 60 Meter breite Festungsbau wurde von den Österreichern errichtet, um die Budapester Bevölkerung an die Oberherrschaft Österreichs zu erinnern. Auf der Südspitze dieses Aussichtsberges, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, steht die Freiheitsstatue, die zu Ehren der Soldaten, die Ungarn im Zweiten Weltkrieg befreiten, errichtet wurde. Genau unter dem Gellertberg bei der neuumgestalteten Markthalle fand unser Schiff seinen Ankerplatz.

Gellertberg

Gellertberg

Schon als die erste Brücke auftauchte, sah man dahinter sehr moderne Gebäude auftauchen. Die Stadt mit 1,7 Millionen Einwohnern besteht aus zwei Teilen, nämlich aus Buda und aus Pest, die sich zu beiden Seiten der Donau ausbreiten. Neun Brücken überspannen die Donau und bilden mit den Sehenswürdigkeiten, die die Ufer säumen, ein einzigartiges Stadtbild. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, Budapest mal von der Wasserseite aus kennenzulernen und meine Erwartungen wurden noch bei Weitem übertroffen. Um 12:15 Uhr war das Mittagessen angesetzt und ich konnte es kaum erwarten, das Schiff zu verlassen und mit dem Bus die Stadt zu erkunden.

Josefbrücke, Elisabethbrücke, Burgpalast, Matthiaskirche mit Fischerbastei

Josefbrücke, Elisabethbrücke, Burgpalast, Matthiaskirche mit Fischerbastei

Das Schiff ankerte auf der flacheren Pester Seite. Uns gegenüber lag das Hotel Gellert mit seinem berühmten Thermalbad sowie weiter flussabwärts der Hauptbau der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität mit seinen farbenfrohen Dächern aus Majolikafliesen. Hierher würden wir immer zurückfinden, denn Budapest breitet sich auf einer Fläche von 23 mal 24 Kilometern aus.

Pünktlich um 13:45 Uhr bestiegen wir den Bus zur 3,5 Stunden dauernden Stadtrundfahrt. Vorerst blickten wir nur auf die Prachtbauten der Budaer Seite, die alle wie Perlen aufgefädelt vor uns lagen: der Burgpalast, die Matthiaskirche, da Hilton Hotel und die Fischerbastei. Das Budaer Burgviertel und das Donaupanorama gehören seit 1987 vom UNESCO-Weltkulturerbe. Unter dem Burgviertel verläuft ein Labyrinthsystem, das jetzt aufwendig renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Als wir die Josefbrücke erreichten, bogen wir nach rechts ab und fuhren Richtung Innenstadt. Die 2,5 km lange Andrassy ut, die von üppig ausgestatteten, sechsgeschossigen Miethäusern im Historismus mit Sgraffitimalerei und der Ungarischen Staatsoper gesäumt wird, führte direkt zum Heldenplatz.

Heldenplatz Budapest

Heldenplatz Budapest

Unter der Andrassy ut verkehrt die Budapester U-Bahn. Sie ist die älteste elektrische U-Bahn der Welt und nach der London Underground die zweiälteste überhaupt. Auch am Heldenplatz gibt es eine Haltestelle. Leider hielt unser Bus hier nicht an. Der Platz wird von der Kunsthalle und dem Museum der schönen Künste eingefasst. Auf dem Platz steht die 36 m hohe Milleniumssäule, die von der Statue des Erzengels Gabriel gekrönt wird. Am See dahinter, auf dem man im Sommer Boot fahren und im Winter Eislaufen kann, liegt das Vajdahunyad-Schloss. Gegenüber vom Stadtpark breitet sich das große Gelände des Zoos und das Hotel Gundel aus – berühmt für seine Palatschinken mit Nussfülle. 1913 wurde das neubarocke Szechenyi-Bad fertiggestellt. Wegen der 27 Grad warmen Quelle kann das ganze Jahr über im Freien gebadet werden. Budapest hat eine lange Tradition als Thermalbadeort. Der vornehme Eingang zu diesem Bad kann sich sehen lassen.

Szechenyi Bad

Szechenyi Bad

Vom Gebiet des Stadtwäldchens kehrten wir wieder über den Heldenplatz und die Andrassy ut in den Stadtkern zurück. Die Prachtstraße kreuzt den achteckigen Platz Oktagon, wo mehrere Stadtbezirke aufeinandertreffen. Dann endlich gelangten wir über eine der ältesten Brücken der Stadt, die Margaretenbrücke, auf die Budaer Seite der Stadt. Eine Besonderheit der Margaretenbrücke ist, dass sie aus zwei Teilen mit je drei Segmentbögen besteht, die sich auf der Margareteninsel treffen und dort einen Winkel von 150 Grad bilden. Auch beim Befahren der Brücke merkt man diesen Knick. Von dieser Seite aus konnten wir einen ersten Blick auf das Parlament erhaschen. Der Ausblick über die Stadt sollte aber noch schöner werden, desto höher wir auf den Burghügel hinauffuhren.

Margaretenbrücke mit dem Parlament im Stadtteil Pest

Margaretenbrücke mit dem Parlament im Stadtteil Pest

Als wir die höchste Stelle des Burgviertels erreicht hatten, machte der Bus Halt. Eine Stunde würden wir Zeit haben für einen kleinen Rundgang mit unserer Stadtführerin und für eine Kaffeepause. Im Burgviertel Var befanden wir uns eigentlich auf einer Großbaustelle und es war gar nicht so leicht, zur Matthiaskirche zu gelangen. Das bunte Majolikadach stand in starkem Kontrast zu den strahlend weißen Wänden der hochaufragenden Kirche. Der höchste Turm ist der Matthiasturm, welcher ursprünglich im 15. Jahrhundert erbaut und nach dem Herrscher der damaligen Zeit, König Matthias Corvinus, benannt wurde. Sein Wappentier ist der Rabe und der schmückt, einen Ring im Schnabel haltend, einen der weiteren Türme. Die Kirche ist auch als Krönungskirche bekannt. Hier wurde Kaiser Franz Joseph I zum König von Ungarn gekrönt. Den davorliegenden Dreifaltigkeitsplatz ziert eine Pestsäule. Neben der Kirche erhielt die Hotelkette Hilton die Erlaubnis ein 5-Sterne Hotel zu bauen. Jedoch mussten die Außenmauern des alten Klosters erhalten werden. In der Glasfront der Vorderseite spiegelt sich die Fischerbastei.

Matthiaskirche am Dreifaltigkeitsplatz mit den Hilton Hotel

Matthiaskirche am Dreifaltigkeitsplatz mit den Hilton Hotel

Die Fischerbastei erhebt sich auf dem Burgberg an der Stelle des mittelalterlichen Fischmarkts von Buda. Das etwas märchenhaft anmutende Bauwerk, das mit seinen konischen Türmen an die Zelte der Magyaren erinnern soll, wird als Aussichtsplattform über der Stadt genutzt. Vor der Bastei steht eine Bronze-Reiterstatue von König Stephan I, dem Heiligen, der das Christentum in Ungarn verbreitete.

Fischerbastei mit Matthiaskirche bei Nacht

Fischerbastei mit Matthiaskirche bei Nacht

Hier endete unsere Führung im Burgviertel. Wir hatten noch Zeit die wunderschöne Aussicht zu genießen, bevor wir auf der Terrasse des Hilton Hotels Platz nahmen und einen Eiskaffee genossen. Mutti hatte noch einen Zweitausend Forint Schein in ihrer Tasche gefunden und lud zu dieser Köstlichkeit ein. Mittlerweile war auch das Thermometer auf 32 Grad angestiegen und da tat die Rast im Schatten der Markise gut.

Blick auf den Stephansdom, Budapest

Blick auf den Stephansdom, Budapest

Nach der Pause nahmen wir einen anderen Weg zurück zu der Stelle, wo uns der Bus abholen würde. Im Burgviertel gab es keinen Parkplatz mehr für die großen Busse. Sie dürfen nur noch die Gäste kurz aussteigen lassen. Der Berg konnte die Masse von Bussen einfach nicht mehr bewältigen. Von der Westseite des Burghügels warfen wir noch einen Blick auf den benachbarten Gellertberg. Dieser war der letzte Stopp auf unserer Rundfahrt durch die Stadt.

Blick auf den Gellertberg von der Fischerbastei aus

Blick auf den Gellertberg von der Fischerbastei aus

Ich konnte mich nicht entscheiden, ob der Blick von der Fischerbastei aus oder vom Gellertberg aus auf die darunterliegende Stadt schöner war. Von der Zitadelle aus hat man einen wunderschönen Blick auf das ehemalige königliche Schloss. Der Burgpalast beherbergt die Nationalbibliothek, die Nationalgalerie sowie das Historische Museum. Neben der Burg hat im klassizistischen Sandor-Palais der ungarische Staatspräsident seinen Sitz.

Burgpalast mit Matthiaskirche

Burgpalast mit Matthiaskirche

Von unter der Freiheitsstatue, die schützend ihre Hand über die Stadt hält, konnte man unser Schiff sehen, das bereits auf uns wartete. Im Hintergrund konnte man das für die Fussball EM neuerbaute Stadium sehen, für dessen Bau große Teile des Gesundheitsbudgets ausgegeben wurden. Den Abschluss der Stadt bildete eine Kette von Wolkenkratzern.

MS Wolga liegt vor Anker in Budapest

MS Wolga liegt vor Anker in Budapest

Über die weiße Elisabethbrücke gelangten wir wieder auf die Pester Seite der Stadt. Kaiserin Sissy von Österreich wurde von den Ungarn sehr verehrt. Wir waren froh, wieder an Bord gehen zu können. Wir mussten die gesammelten Eindrücke erst mal verdauen. Um uns etwas abzukühlen, entschlossen wir uns, ein wenig baden zu gehen – Mutti ließ sich von der Dusche berieseln und ich schwamm ein paar Runden im kleinen Schwimmbecken am Sonnendeck. So eine vornehme Kulisse beim Baden hatte ich schon lange nicht mehr.

Um 16:00 Uhr gab es Kaffeezeit im blauen Salon. Kurz danach schon das Abendessen. Viele Passagiere hatten sich dazu entschlossen, an der Lichterfahrt durch die ungarische Hauptstadt teilzunehmen. Um 20:00 Uhr startete unsere nächtliche Tour durch die Stadt. Sofort überquerten wir den Fluss und fuhren direkt an der Donaupromenade zu einem der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Das Parlament ist Ungarns größtes Bauwerk und der ständige Sitz des Landtages. Der neugotische Gebäudekomplex entstand zwischen 1884 und 1902 nach den Plänen von Imre Steindl. Die Anlage hat 691 Räume, ist 268 Meter lang und die Kuppel ist 96 Meter hoch. Im Gebäude wird nicht nur Politik gemacht, sondern hier kann man seit dem Jahre 2000 die ungarischen Krönungsinsignien, den Reichsapfel, das Schwert, die Stephanskrone und das Zepter besichtigen.

Ungarische Parlamentsgebäude

Ungarische Parlamentsgebäude

Die Route war dann ähnlich der, die wir bereits Mittag zurückgelegt hatten. Die auffällige Glasfassade des Budapester Westbahnhofes, vom dem aus auch die Züge nach Wien losfahren, war hell erleuchtet. Die aus Stahl und Glas errichtete Mittelhalle wurde vom berühmten französischen Architekten Gustave Eifel entworfen. Wieder fuhren wir die Andrassy ut zum Heldenplatz hinunter. Die Milleniumssäule in der Mitte des Platzes erstrahlte wie eine große Kerze. Eigentlich wollte ich gar nicht fotografieren, denn ich hatte ja schon alles in der Kiste. Doch das Lichtkonzept ließ die Gebäude und Brücken durch die Stadt so anmutig erscheinen, dass ich doch wieder einige Bilder schießen musste.

Kettenbrücke und Margaretenbrücke schließen das Parlament ein

Kettenbrücke und Margaretenbrücke schließen das Parlament ein

Bei der abendlichen Rundfahrt gab es zwar keinen Halt im Burgviertel, jedoch blieben wir kurz unterhalb der Fischerbastei stehen. Diese wetteiferte mit der Matthiaskirche, wer wohl heller erstrahlen möge.

Budapester Schloss, Matthiaskirche und Fischerbastei

Budapester Schloss, Matthiaskirche und Fischerbastei

Eine der schönsten Aussichten auf das beleuchtete Budapest hatte man dann von der Aussichtsplattform vor der Zitadelle. Hier überblickte man fast alle beleuchteten Prachtbauten. Budapest hatte sich wirklich von seiner schönsten Seite gezeigt. Ich kann nur jedem empfehlen, die Stadtrundfahrt nicht nur bei Tag sondern auch in der Nacht zu machen. Am Schiff wurden wir dann nochmals mit einem traumhaften Blick auf den Gellertberg überrascht. Man fühlte sich wirklich so, als ob man von der Stadt umarmt werden würde.

Budapest mit Gellertberg bei Nacht

Budapest mit Gellertberg bei Nacht

Die Nacht würde ruhig werden, denn wir würden sie fest vertäut an der Anlegestelle verbringen.

Posted by fegoesdonau 00:54 Archived in Hungary

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