A Travellerspoint blog

Tag 9

Erinnerungen an Esztergom

sunny 31 °C

Voller wunderschöner Eindrücke hatten wir bald einen tiefen Schlaf gefunden. Zwischen 6:30 und 9:00 Uhr gab es Frühstück – früher natürlich für jene, die den Ausflug in die Puszta machen würden, etwas später für diejenigen, die die Margareteninsel besuchten und ganz spät für jene, die sich dazu entschlossen hatten, etwas an Bord zu relaxen.

Wir waren etwas später aufgestanden, denn wir meinten, dass es uns gut täte, eine kleine Pause einzulegen. Es war schön, sich beim Frühstück Zeit lassen zu können. Auf dem Sonnendeck fanden wir genügend Platz – Sonne oder Schatten – wie jeder wollte. Aber ein Spaziergang würde uns trotzdem gut tun. Auch war ich neugierig, wie viele Schiffe in der ungarischen Hauptstadt vor Anker lagen. Es war so heiß, dass wir die kurzen Hosen ausführen konnten. Da die Schiffsanleger mitten in der Stadt waren, war auch am Kai viel los. Nachschub aller Art wurde angeliefert. Von der Klopapierrolle bis zum Champagner muss alles besorgt und an Bord der Schiffe gebracht werden.

Eigentlich denkt man immer nur, an das, was gebracht wird; nicht aber daran, dass auch Manches entsorgt werden muss. Bei unserem Spaziergang entlang der Hafenpromenade sahen wir, dass der Kai von Müllcontainern in verschiedenster Größe gesäumt war. Die Gehsteige wurden immer wieder von Schläuchen und Leitungen gequert. Auf dem Sonnendeck eines Schiffes, das vor uns lag, war die Besatzung angetreten. Auf einmal wurden am Heck des Sonnendecks große Behälter geöffnet. Jeder, vom Kellner, über Koch und Zimmermädchen bis zu den Matrosen musste Säcke voller Müll oder Bündel von Altpapier nehmen und damit über die Stiegen zum Ausgang des Schiffes eilen, über den Steg an Land laufen, dort seinen Sack in den Container werfen und sofort umkehren, um wieder die nächste Ladung zu holen, entweder bis der Mülllagerplatz des Schiffes leer war, oder der Container voll. Wir hatten uns nie darüber Gedanken gemacht, wie die Organisation des Schiffes funktioniert. Hier entsorgten fast alle Schiffe ihren Müll, Sperrmüll und Sondermüll. Wahrscheinlich waren die Kosten dafür in Ungarn geringer als in einem der Nachbarländer.

Natürlich mussten manche Schiffe auch ihre Trinkwassercontainer auffüllen. Unser Schiff hatte eine spezielle Trinkwasseraufbereitungsanlage an Bord, womit aus Donauwasser Trink- und Nutzwasser hergestellt werden konnte. Man muss sich nur einmal vorstellen, wieviel Wasser am Abend benötigt werden würde, wenn alle ein Mal duschen! Das Schiff ist wie eine kleine Stadt und an alles muss gedacht werden.

Wir hatten uns als Ziel die Josefbrücke gesteckt. Bis dorthin wollten wir gehen. Zuerst spendete die Kaimauer noch Schatten, danach verlief die Promenade in der prallen Sonne. Bis dorthin hatten wir über zwanzig Schiffe gezählt. Alle hatten aus Respekt vor dem Gastland die ungarische Flagge gehisst. Zusätzlich war auch noch ihre Heimatflagge aufgezogen und so konnten wir feststellen, dass die Schiffe aus ganz Europa kamen. Er herrschte ein reges Treiben. Wir hatten auch am Vortag bemerkt, dass nicht nur Touristen, sondern viele Einheimische in Budapest unterwegs waren. Die Tische vor den Lokalen waren alle besetzt und die Gehsteige und Plätze waren voller Menschen. Als wir zum Schiff zurückkehrten, war über eine Stunde vergangen. Etwas hatten wir noch Zeit, um uns auf dem Sonnendeck auszurasten.

Um 12:15 Uhr mussten wieder alle an Bord sein, denn pünktlich um 12:30 Uhr legte das Schiff ab. Auch Liegegebühren waren teuer und jede Minute kostete. Außerdem musste der Kapitän den Fahrplan einhalten. Carsten würde die Stadtrundfahrt mit dem Schiff vom Wasser aus kommentieren. Die meisten Sehenswürdigkeiten waren von der Donau aus sichtbar. Ein letztes Mal winkten wir noch der Freiheitsstatue am Gellertberg zu, die uns einen Tag lang ihren Schutz gewährte. Als wir unter der grünen Josefbrücke durchgefahren waren, tauchte schon die weiße Elisabethbrücke auf. Dahinter lagen aufgefädelt der Burgpalast, die Matthiaskirche, das Hilton Hotel und die Fischerbastei.

Buda vom Wasser aus

Buda vom Wasser aus

Danach tauchte die älteste Brücke der neun Brücken in der Stadt auf, die Kettenbrücke. Das Bauwerk wird von zwei triumphbogenartigen Stützpfeilern getragen, durch die die eisernen Ketten des 375 Meter langen Brückenkörpers verkaufen. Die Brückenköpfe werden von Löwen bewacht. Hinter der Kettenbrücke erschienen schon die Türme des bekanntesten Wahrzeichens der Stadt, des Parlaments. Es kann den Vergleich an Größe und Schönheit mit den Houses of Parliament an der Themse in London auf jeden Fall Stand halten.

Parlamentsgebäude in Budapest

Parlamentsgebäude in Budapest

Über die gelbe Margaretenbrücke mit Knick kann die 2,5 Kilometer lange Margareteninsel erreicht werden. Wir fuhren entlang dieses Erholungsgebietes mitten in der Stadt und mitten in der Donau. Hier gibt es ausgedehnte Parkanlagen und eines der besten Kur- und Thermalbäder der Stadt. Am gegenüberliegenden Ufer haben die guten Hotelketten ihre Luxushotels gebaut. Man bucht dann ein Hotel in der Stadt und ist trotzdem kilometerweit vom Zentrum entfernt. Die Arpadbrücke und die Eisenbahnbrücke sind die letzten Brücken im Norden der Stadt. Carsten hatte seine Ausführungen über die Sehenswürdigkeiten beendet und lud schon wieder zum Essen ein – diesmal zum ungarischen Mittagessen.

Kurz nach der Margareteninsel beginnt der Duna-Nationalpark. Die Donau teilt sich in einen schmäleren Westarm und den östlichen Hauptstrom. Dazwischen liegt die 38 Kilometer lange Sankt Andrä Insel. Ihr Ende würden wir erst am Ostende des Donauknies kurz unterhalb von Visegrad sehen. Bis dahin würde uns das Naherholungs- und Ausflugsgebiet der Budapester begleiten. Immer wieder sah man Jung und Alt im Wasser der Donau plantschen.

Badestrand an der St. Andrä Insel

Badestrand an der St. Andrä Insel

Angler sah man beim Fischen. In Ungarn hatten die Schulferien schon begonnen. Anscheinend gab es Sommercamps, da man immer wieder Ruderboote voller Kinder sah. Hunde konnten hier nach Lust und Laune das kühle Nass genießen. Die Balken der wunderschönen Villen, die die Ufer säumten waren zum Großteil auch geöffnet.

Strandvillen auf der St. Andrä Insel

Strandvillen auf der St. Andrä Insel

Schon lange bevor wir die Stadt Vac erreicht hatten, sahen wir die ober der Stadt liegende Abbaustätte der DDC Zementwerke. Das Werk verfügt über die qualitativ hochwertigsten und reinsten Kalksteinvorkommen in Ungarn. Das Donau-Drau-Zementwerk produziert jährlich etwa 2,5 Millionen Tonnen Zement und beschäftigt mehr als vierhundert Mitarbeiter.

Gefängnis vor dem Steinbruch von Vac

Gefängnis vor dem Steinbruch von Vac

Die Stadt Vac mit circa 35.000 Einwohnern liegt am Donauknie. Der Steinbruch und eines der größten Gefängnisse Ungarns bieten den Menschen Arbeitsplätze. 1855 wurde das ehemalige Konvikt für Adelige in ein Gefängnis umgebaut. Dieses liegt direkt am Ufer der Donau. Auffällig sind die vielen Kirchtürme, die die Stadt überragen. Sieben Kirchen konnte ich zugleich sehen. Die Kathedrale ist Bischofssitz und die größte der Kirchen. Auffallend war, dass die Ufer innerhalb der Stadt mit hohen Maurern befestigt waren. Anscheinend tritt die Donau hier öfter über die Ufer und die Bevölkerung musste vor Hochwasser geschützt werden.

Kirchen in Vac

Kirchen in Vac

Zwischen schützenden Hügeln, die bis zum Ufer dicht bewaldet sind, liegt Visegrad. Im Mittelalter zogen die ungarischen Herrscher hierher und ließen ein prachtvolles Schloss am Donauufer bauen. Jeder der nachfolgenden Regenten ließ den Palast nach seinen Wünschen umbauen. Während der Türkenherrschaft wurden der Königspalast und die Festung zerstört. 1934 begannen Archäologen mit den Ausgrabungen und der Renovierung der Burg. Auf einem nahegelegenen Hügel steht der sechseckige Salomon Turm, wo der Legende nach Graf Drakula gefangen gehalten wurde. Von ihm aus führt ein Weg zu den gewaltigen Ruinen der Hochburg, von wo aus man einen schönen Blick auf das Donauknie hat.

Burg Visegrad und Salomon-Turm

Burg Visegrad und Salomon-Turm

Geographisch gesehen passiert die Donau im Donauknie eine Art Portal, welches vom Pilis-Berg und vom Csovanyos-Berg gebildet wird. Die Donau wechselt hier in einem fast perfekten 90° Winkel die Fließrichtung von Ost nach Süd. Diese dreißig Kilometer, in welchen die Biegung stattfindet, nennt man das Donauknie. Wasser- und Thermalquellen entspringen in diesen Bergen. Die Plateaubildungen aus ehemaligem Lavagestein laden zu Wandertouren ein. Um den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt zu gewährleisten, wurde der Nationalpark Donau-Ipoly gegründet.

Donauknie

Donauknie

Kurz nach dem Donauknie übernimmt die Donau wieder ihre Aufgabe als Grenzfluss – diesmal zwischen Ungarn und der Slowakai. Auf 172 Kilometern heißt die Donau dann Dunaj. Die Hügel am linken Ufer fielen nicht mehr so steil zur Donau hin ab. Hinter den Bäumen, die einen dichten Uferwald bildeten, konnte man schon von weitem die große Kuppel des Doms von Esztergom sehen. Mutti freute sich auf diese Kirche, deren Kuppel sie anlässlich ihres 50-igsten Geburtstages mit Peter und Paul bestiegen hatte. Immer wieder hatte sie mir von der herrlichen Aussicht, die man von oben hat, vorgeschwärmt.

Esztergom ist die älteste Stadt Ungarns und war bis zum 12. Jahrhundert Sitz der ungarischen Herrscher und Hauptstadt. Sie wird als die Wiege Ungarns bezeichnet. Als im beginnenden zweiten Jahrtausend die Magyaren Ungarn besiedelten, wurde König Stephan I. hier gekrönt. Die weithin sichtbare Basilika von Esztergom ist die größte Kirche Ungarns und die achtzehntgrößte Kirche der Welt. Sie hat eine Höhe von 100 und die Kuppel hat einen Durchmesser von 33 Metern. Im Inneren der Kirche befindet sich das größte, auf einem Stück Leinwand gemalte Altarbild der Welt. Zusätzlich wird in der Domschatzkammer das Corvinus-Prunkkreuz aufbewahrt, das neben der Stephanskrone der wertvollste Besitz Ungarns ist.

Dom von Esztergom

Dom von Esztergom

Die Donaubrücke, die Esztergom mit dem slowakischen Sturovo verbindet, wurde im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen gesprengt und war bis 2001 unpassierbar. Im Jahre 2000 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Maria-Valeria-Brücke dient jetzt wieder als regionaler Grenzübergang in die Slowakei. Als wir um die Flussbiegung fuhren, konnten wir erst das ganze Ausmaß der Kathedrale mit dem Burgberg sehen. Mächtig thront die Kirche hoch auf dem Felsen oben. In der Dombibliothek kann man auch das Originalrezept des berühmten ungarischen Getränkes Unicum besichtigen.

Dom und Burgberg von Esztergom mit der Maria-Valeria-Brücke

Dom und Burgberg von Esztergom mit der Maria-Valeria-Brücke

Der Blick zurück auf Esztergom war noch lange schön. Wir genossen die Aussicht von der Heckbar aus. Wir genehmigten uns einen Aperitif. Um den beginnenden Abend perfekt zu machen, wurde uns noch ein wunderschöner Sonnenuntergang geschenkt.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Wir genossen ihn noch lang, aber die Zeit blieb trotzdem nicht stehen. Wir gingen in die Kabine, um uns umzuziehen. Heute stand der Crewabend auf dem Programm. Nach dem Essen wurde der Speisesaal umgeräumt, um Platz für eine Bühne zu schaffen. Carsten führte in gesticktem Folklorehemd durch das bunte Programm. Katja und Natascha sangen einige Lieder, der Hotelleiter Herr König und Oleg von der Rezeption heiterten uns mit ihren lustigen Sprüchen auf. Die Passagiere, die einen Tanzkurs gewonnen hatten, führten ihre Künste vor. Der Höhepunkt des Programms war sicherlich eine moderne Darstellung von Aschenbuttel. Zum Schluss wurden wir noch von Tatjana, der Küchenchefin, mit Obst am Spieß mit heißer Schokolade verwöhnt.

Crewabend

Crewabend

Danach konnte, wer wollte, noch das Tanzbein schwingen. Während der Nacht würden wir eine gute Strecke des Weges nach Wien zurücklegen und am nächsten Morgen in Österreich aufwachen.

Karte Tag 9

Karte Tag 9

Posted by fegoesdonau 00:54 Archived in Slovakia

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