A Travellerspoint blog

Tag 7

Grüße aus der Heimat

sunny 31 °C

Nachdem wir in der Nacht Novi Sad passiert hatten, überquerten wir bei Kilometer 1288 auf der linken Uferseite die serbisch-kroatische Grenze. Die Donau, bzw. hier Dunav, bildet dann für circa 138 Kilometer die Grenze zwischen Serbien und Kroatien. Heute werden wir Grüße aus der Heimat erhalten, denn wir passieren die Stelle, wo die Drau, unser größter Kärntner Fluss, in die Donau mündet. Durch den Kosovo-Krieg gelangte die Brücke von Novi Sad zur traurigen Berühmtheit. Erst seit 2005 kann die Donau wieder durchgehend von Kreuzfahrtschiffen befahren werden.

Nach dem Frühstück erreichten wir die Stadt Vukovar. Von weitem war der zerschossene Wasserturm sichtbar, der in diesem Zustand als Mahnmal erhalten bleiben soll. Ende der 1980er Jahre gab es zunehmende Spannungen zwischen Serben und Kroaten. Die Extremen unter ihnen bewaffneten sich und 1991 kam es zu Auseinandersetzungen, wobei in der Schlacht um Vukovar bis zu 8000 Granaten täglich mit insgesamt sechs Millionen Geschossen einschlugen.

Der Stadtkern von Vukovar ist ein Kleinod barocker Baukunst. Das Schloss der Grafen von Eltz und das Franziskanerkloster wurden in mühevoller Kleinarbeit renoviert und zum Teil wieder aufgebaut. Trotzdem sahen wir bei der kurzen Stadtrundfahrt noch immer viele Spuren der totalen Verwüstung – auch wenn man versucht, sie mit Blumen schön zu schmücken.

Spuren des Krieges in Vukovar

Spuren des Krieges in Vukovar

Von Vukovar aus beginnt der Busausflug durch die weite Ebene Slawoniens nach Osijek, der Hauptstadt dieser fruchtbaren Gegend an der Mündung des Flusses Drau in die Donau. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit um die Jahrhundertwende. Der Einfluss der habsburgischen bzw. westeuropäischen Architekten ist allgegenwärtig: bei den romantischen Schlössern, der römisch-katholischen Peter- und Paulskirche oder bei den pastellfarbenen Bürgerhäusern mit Stuckverzierungen und schlanken Türmchen im Zentrum von Osijek. Es war nicht zu übersehen, dass sich die Stadt selbst deutlich schneller von den Zerstörungen des Krieges erholt hat, als die Vororte oder auch Vukovar. Dies macht auch das ganz besondere Flair Osijeks aus.

Den Bus parkten wir an der Stadtmauer. Nur kurz war der Weg bis zur Fußgängerzone am Hauptplatz. Trotzdem suchten wir immer wieder ein schattiges Plätzchen, da die Temperaturen mittlerweile auf etwa 30 Grad angestiegen waren. Am Hauptplatz hatten viele Kneipen Tische und Bänke aufgestellt und unter den Schirmen im Schatten genehmigten sich viele Bewohner ein kühles Getränk. Außerdem war gerade Markttag. Viele Handwerker boten ihre Erzeugnisse an. Besonders gut haben mir die Fliegenpilze aus Holz gefallen und eine Blumenfrau, die ihre Sträuße aus haltbaren Holzblumen band.

Markt am Hauptplatz von Osijek

Markt am Hauptplatz von Osijek

Einige Sänger und Musikanten traten in ihren typischen Trachten auf. Wir hatten eine halbe Stunde Zeit eine Runde durch die verschiedenen Stände zu machen und dabei den Klängen der Volksmusik zu lauschen. Ein Musiker spielte auf eine Art Dudelsack, der wie ein Schwein aussah. Wir waren froh, als wir die Gruppe unter den Bäumen im Schatten wartend fanden.

Folkloredarbietungen in Osijek

Folkloredarbietungen in Osijek

Wir setzten unseren Stadtrundgang fort. Vorbei am Kloster gelangten wir zur alten Stadtmauer am Ufer der Drau. Am gegenüberliegenden Ufer konnte man Bunker sehen. Hier wurde während des Kosovo Krieges Munition gelagert.

Kloster und Stadtmauer am Drauufer, Osijek

Kloster und Stadtmauer am Drauufer, Osijek

Irgendwie fühlte ich mich heimisch – hier am Ufer der Drau. Vier Jahre lang führte mich während meiner Schulzeit fast täglich mein Schulweg über die Drau. Auch hier gab es nicht nur eine Straßenbrücke, sondern auch eine Eisenbahnbrücke über die Drau. Es gab eine schöne Drau Promenade und einen Radweg entlang des Flusses. Ebenso gibt es hier ein Strandbad und kleine Cafes und Bars.

Draupromenade Osijek

Draupromenade Osijek

Als wir zum Bus zurückkehrten, plagte uns der Durst. Leider hatte der Busfahrer kein Mineralwasser zu verkaufen. Durch starkbefahrene, enge Gassen gelangten wir von der Altstadt in den neueren Teil der Stadt. Auf einem Parkplatz vor einem großen Einkaufszentrum hielt der Bus. Die Reiseleiterin war denen behilflich, die keine Kuna oder die keine Bankomat- oder Kreditkarte hatten, etwas zu trinken zu kaufen. Da erst merkt man, wie verwöhnt wir schon vom Euro sind. Ich kaufte bei DM eine Flasche Rauch Eistee mit meiner Bankomatkarte, was sehr gut funktionierte.

Die Stadt war sehr belebt. Sie ist mit 114.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Kroatiens. Hier gibt es breite Plätze und herrschaftliche Häuser, die großteils nach den Kriegswirren 1991 wieder hergerichtet wurden. An vielen neugestrichenen Fassaden sieht man rote Flecken. Einschusslöcher sind drunter sichtbar. Sie wurden quasi als Mahnmal so belassen.

Einschusslöcher Bürgerhaus Hauptplatz Osijek

Einschusslöcher Bürgerhaus Hauptplatz Osijek

Das Zentrum der Stadt wird vom Kirchturm der Peter und Paul Kirche überragt. Für den Bau der Kirche wurden 3,5 Millionen Backsteinziegel verwendet. Die bunten Glasfenster lassen ein warmes Licht in den Innenraum. Die Altäre auf der rechten Seite sind bemalt. Für die Bemalung der Altäre auf der linken Seite war kein Geld mehr vorhanden.

Peter und Paul Kirche Osijek

Peter und Paul Kirche Osijek

Nur etwa eine Stunde dauerte die Rückfahrt nach Vukovar. Wieder fuhren wir durch viele kleine Dörfer. Immer wieder sah man Storchennester auf den Kaminen und Telefonmasten. Die großen Felder waren flach und das Getreide leuchtete schon goldig. Auf dem Parkplatz vor dem Schiffsanleger spielten Musikanten auf. Die lustigen Melodien ließen uns etwas vergessen, dass es noch nicht so lange her ist, dass hier noch ein Krieg getobt hatte.

Kaum waren wir am Bord, wurden wir schon wieder eingeladen, im Restaurant Platz zu nehmen. Ich hatte während des Essens keine Ruhe, denn ich wollte nicht übersehen, wo die Drau in die Donau mündet. Da wir von Osijek nach Vukovar nur eine Stunde mit dem Bus benötigt hatten, würde die Stelle wohl bald auftauchen. Man sah nirgends einen Fluss münden. Nach dem Essen ging ich zur Rezeption und fragte Karsten, ob er wüsste, wo die Drau in die Donau münden würde. Schnell bekam ich eine Antwort: „Bei Flusskilometer 1.382,5“. So setzte ich mich an die linke Seite des Schiffes und beobachtete die vorbeiziehenden Flusskilometer.

Karte Tag 7

Karte Tag 7

Bei der Stadt Bogojevo tauchte eine blaue Brücke vor uns auf. Erst als wir näher kamen, sah man, dass es zwei Brücken waren, die alte Eisenbahnbrücke und eine neue Autobahnbrücke.

Brücken bei Bogojevo

Brücken bei Bogojevo

Links tauchte dann eine kleine Befestigungsanlage auf –aber noch immer keine Spur von der Drau. Inzwischen war es schon 16:30 Uhr und Karsten lud zu Kaffee und Kuchen und einem ukrainischen Bazar in das Restaurant. Das Servicepersonal war in Tracht und es gab landestypische Mehlspeisen.

Ukrainische Mehlspeisen

Ukrainische Mehlspeisen

Schnell trank ich einen Schluck Tee und nahm ein Stück Kolac. Wir waren bereits bei Stromkilometer 1.380 angelangt. Im kleinen Dorf Aljmas, nahe der Mündung der Drau in die Donau befindet sich seit 1687 die Wallfahrtskirche zur „Muttergottes der Zuflucht“. Jedoch wurde diese Kirche drei Mal zerstört und wiederaufgebaut – 1993 im Kroatienkrieg zum letzten Mal. Die Marienstatue blieb jedoch immer unbeschädigt. Im Jahre 2001 begann man mit dem Bau der vierten Kirche, der modernsten Kirche Kroatiens, in der Form eines Schwanes. Im Schwanenhals befindet sich der Glockenturm der Kirche mit drei Glocken. Dahinter verläuft der 480 m lange Kreuzweg auf den Kalvarienberg mit 14 großen Holzkreuzen.

Wallfahrtskirche Aljmas mit Kalvarienberg

Wallfahrtskirche Aljmas mit Kalvarienberg

An den Hügeln gab es wunderschöne, moderne Villen und dann nur noch mit Laubbäumen bedeckte Hügel. Erst zu Hause auf der Landkarte sah ich, dass die Donau von Vukovar bis Osijek viele Flussbiegungen macht und daher hat es sehr lange gedauert, bis wir das Mündungsgebiet erreicht hatten. Dann endlich bei Flusskilometer 1.382,5 hatten wir die Mündung der Drau in die Donau erreicht.

Mündung der Drau in die Donau

Mündung der Drau in die Donau

Mit 749 Kilometern ist die Drau der viertgrößte Nebenfluss der Donau. Das Auenschutzgebiet des Biosphärenreservates Donau-Drau-Mur von Slowenien, Serbien, Ungarn, Kroatien und Österreich beginnt etwa 30 Kilometer nach der steirischen Grenze an der Mur und erstreckt sich bis zum Zusammenfluss der Drau mit der Donau bei Osijek. Besonderen Schutz erhielt der kroatische Teil des Nationalparks ungewollter Weise in den letzten 20 Jahren. Die Wirren des Krieges und die teilweise Verminung der Gegend trugen dazu bei, dass sich die Natur in diesem Gebiet sehr stark regenerieren konnte. Ich konnte dann um 17:16 Uhr sogar ein Foto vom Kilometer „Null“ schießen.

Flusskilometer 0 am Zusammenfluss der Drau mit der Donau

Flusskilometer 0 am Zusammenfluss der Drau mit der Donau

Nach dieser anstrengenden Fotosafari, bei der mit sehr viel Sehnsucht die Flaschenpost in der Drau erwartet wurde, gab es einen Diavortrag über die letzten Ausflüge dieser Reise in Wien und Melk. So schnell war die Zeit vergangen und wir hatten bereits die Hälfte der Tage unserer Reise zurückgelegt. Im Abendlicht spiegelte sich die serbisch-orthodoxe Kirche von Apatin in den Fluten der Donau wieder. Neben der Kirche lag das riesige Gelände der Brauerei Apatinska. 1748 wurde hier die erste römisch katholische Kirche Maria Himmelfahrt gebaut. Anschließend erfolgte die Ansiedlung von Donauschwaben. Sie gründeten dann 1756 die Brauerei. Außerdem war die Stadt für die Donaumühlen bekannt. Es handelte sich dabei um Schiffsmühlen, die Stahlwalzen als Mahlwerk hatten.

Apatin

Apatin

Danach gingen wir in die Kabine und zogen uns für das Abendessen um. Während wir die Nachspeise aßen, bereitete sich ein wunderschöner Sonnenuntergang darauf vor, von uns gewürdigt zu werden. Es ist immer wieder erstaunlich für mich, welche Rot- und Lilatöne die Natur hervorbringen kann.

Sonnenuntergang an der Donau

Sonnenuntergang an der Donau

Heute mussten wir noch aufbleiben, bis wir die ungarische Grenze bei Mohacs erreichen würden. An dieser Shengen Außengrenze war der ungarische Zoll verpflichtet, die EU-Passkontrolle vorzunehmen. Die Zeit bis dahin würden wir uns bei der Wodkaprobe im Speisesaal vertreiben. Der Schiffsmanager Herr König würde wieder lustige Gedichte vortragen, Witze erzählen und vier verschiedene ukrainische Wodkasorten präsentieren. Katja von der Rezeption und Natascha vom Bordladen gaben einige Lieder zum Besten. Zum Wodka gab es Blinis mit Kaviar. Da ich allerdings kein großer Wodkafan bin, entschied ich mich einen Martini zu trinken.

Wodkaprobe mit Alexander König

Wodkaprobe mit Alexander König

Gerade als die Veranstaltung fertig war, legten wir in Mohacs an. Das Fotografieren war strengstens verboten. Wir sollten zu dieser Nachtzeit – immerhin war es schon nach 22:00 Uhr – zu den Zollbeamten sehr freundlich sein. Dann würde die Kontrolle viel schneller gehen. Zuerst fand die Kontrolle der Crew statt, die Passagiere mussten deckweise zur Rezeption. Dort erhielten wir unsere Pässe und mussten vor die Zollbeamtin treten, die unsere Identität feststellte. Die Einreise verlief schnell und reibungslos. Danach konnten wir in die Kabine und legten uns nun zum ersten Mal auf dieser Reise in Ungarn ins (noch immer gleiche) Bett.

Posted by fegoesdonau 00:53 Archived in Croatia

Tag 6

Belgrad, die serbische Hauptstadt am Zusammenfluss der Donau und Save

sunny 28 °C

Während der Nacht hatten wir die rumänisch-serbische Grenze passiert. Rumänien hat mit 1.075 Kilometern den längsten Anteil an der Donau. Wir hatten die Dunarea verlassen und befanden uns jetzt auf der Dunav, wie die Donau in Serbien auf 587 Kilometern heißt. Belgrad liegt zwar direkt an der Donau – es gibt hier allerdings wenige Möglichkeiten anzulegen. Die serbische Hauptstadt liegt aber auch am Zusammenfluss von Save und Donau. Am Ankerplatz an der Save legten wir gegen 3:00 Uhr morgens an.

Schon ab 6:30 Uhr gab es Frühstück. Um 8:00 Uhr würde der Ausflug beginnen. Vorerst mussten wir wieder warten, bis die serbischen Behörden das Schiff freigegeben hatten. Da Serbien nicht Mitglied der EU ist, mussten wir unsere Zimmerschlüssel gegen die Reisepässe tauschen und diesen mitnehmen, wenn wir von Bord gingen. Vom Angeleger aus könnten wir in zehn Minuten die Festung Klemegdan, das bedeutendste Bauwerk und das berühmteste Wahrzeichen Belgrads, zu Fuß erreichen. Doch bestiegen wir vorerst den Bus zur Stadtrundfahrt, die circa 3,5 Stunden dauern würde.

Belgrad hat circa 1,7 Millionen Einwohner und ist eine sehr moderne Stadt. Dies wohl auch deshalb, weil sie seit der Antike fast 50 Mal in verschiedenen Kriegen zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Zuerst fuhren wir den Hang hinauf in das alte Serbische Viertel. Der Fürstenhof der Prinzessin Ljubica ist heute ein Museum, das Einblicke in das Leben der wohlhabenden serbischen Bevölkerung des 18. Jahrhunderts gibt.

Belgrader Fürstenhof

Belgrader Fürstenhof

Vorbei am Marktgelände und dem schönen Hotel Moskau gelangten wir zum Belgrader Rathaus, das in einem schönen, alten Palais untergebracht ist. Der Platz davor und der anschließende Park, hatten immer wieder für Kundgebungen gedient. Auf der anderen Straßenseite erstreckt sich das große Gebäude des Parlamentes.

Belgrader Rathaus

Belgrader Rathaus

Nicht alle Spuren des Krieges wurden beseitigt. Gerade dieses Viertel wurde im Balkankrieg stark bombardiert. Als Mahnmal sieht man die Spuren der Zerstörung und Verwüstung noch immer an den Trümmern des alten Verteidigungsministeriums.

Altes Verteidigungsministerium

Altes Verteidigungsministerium

Unmittelbar daneben liegt die alte US-Botschaft. Alle Fenster des Hauses sind nicht nur vergittert, sondern sicherheitshalber auch noch zugemauert. Die Botschaft wurde in einem Außenbezirk neu errichtet und vor kurzem bezogen. In diesem Villenviertel liegt in einem grünen Park das Mausoleum von Josip Broz Tito. Im anschließenden „Jugoslawien Museum“ kann man mehr über die kommunistische Vergangenheit Serbiens erfahren.

Auf dem Vracar Plateau im Süden der Stadt, von überall gut sichtbar, wurde und wird noch immer mit Spendengeldern eine der größten Kirchen der Welt erbaut. Der Dom des Heiligen Sava wurde auf einem 134 Meter hohen Hügel errichtet, dort wo die Überreste dieses Heiligen angeblich verbrannt wurden. Die Flächenmaße der Kirche selbst betragen 91 mal 81 Meter. Samt ihrer riesigen Emporen bietet sie Platz für bis zu 12.000 Gläubige. Außen ist die Serbisch-orthodoxe Kirche vollkommen mit weißem Marmor verkleidet. Mit der Zeit sollen die einfachen Holztore gegen Eingangstüren mit Bronzereliefs ausgetauscht werden. Die Innenwände sind zum Großteil auch noch roh, sollen aber mit Mosaiken verkleidet werden. Ebenso soll der Betonboden mit Granitintarsien ausgelegt werden. Heiligenbilder waren überall aufgestellt. Gläubige Orthodoxe betraten die Kirche, gingen sofort zu einem dieser Bilder, küssten sie und warfen ihre Spende ein. Man kann nur hoffen, dass der Glaube dieser Menschen, zur Vollendung dieses Kunstwerkes führen wird.

Dom des Heiligen Sava

Dom des Heiligen Sava

Eigentlich war es wieder recht warm geworden. Deshalb hatten wir die Kühle des Doms auch als sehr angenehmen empfunden. Es war Zeit, eine kleine Pause zu machen. Wieder waren wir in einem Nicht-Euro-Land. Deshalb war ein Besuch in einem Lokal in der Fußgängerzone im Ausflug inkludiert. Unsere Tischnachbarn probierten ein serbisches Bier und ich einen serbischen Kaffee, der dem türkischen sehr ähnelte und einen dicken Satz in der kleinen Kaffeetasse hinterließ. Das dunkle Restaurant mit Kristalllustern, das wohl noch aus Titos Zeiten stammte, hatte aber sehr modern ausgestattete Toiletteanlagen, die wir benutzen konnten. Wir schlenderten zurück zum Belgrader Nationalmuseum, das seit Jahren renoviert wird, wo der Bus auf uns wartete.

Belgrader Nationalmuseum

Belgrader Nationalmuseum

Als letzter Halt auf unserer Rundreise durch die Stadt war die Besichtigung des wichtigsten historischen Bauwerks geplant – die auf einem Plateau über der Stadt gelegene Festung Kalemegdan. Der Spaziergang durch die Burganlage würde circa 45 Minuten dauern. Die Festung steht an der Grenze der Pannonischen Tiefebene und der südosteuropäischen Gebirgshalbinsel und liegt an der Kreuzung der wichtigsten Straßen- und Flussverbindungen der Antike. Neben Wällen, Bastionen, Türen und Toren sind die zahlreichen Monumente sowie zwei Kirchen und das Militärhistorische Museum die touristischen Anziehungspunkte der Anlage.

Festung Kalemegdan, Belgrad

Festung Kalemegdan, Belgrad

Heute ist der Kalemegdan einer der größten und schönsten Parkanlagen Belgrads und ein Naherholungsgebiet für die Bewohner der Stadt. Früher, als die Festung die wichtigste militärische Anlage der Stadt darstellte, diente der Park als Beobachtungspunkt von welchem aus der Feind zum Kampf erwartet wurde. Den herrlichsten Panoramablick auf den Zusammenfluss von Save und Donau und Neubelgrad kann man vom Monument der Dankbarkeit aus genießen. Man kann sogar den Flusskilometer „Null“ der Save sehen.

Mündung der Save in die Donau

Mündung der Save in die Donau

Unsere Schiffsanlegestelle lag unter diesem Burghügel und so dauerte die Rückfahrt zum Schiff nicht lange. Schon um 12:00 Uhr gab es Mittagessen im Restaurant, denn es wurde ein Nachmittagsausflug nach Topola angeboten. Dort soll es eine sehr sehenswerte serbisch-orthodoxe Kirche geben. Uns reichte es allerdings ein Mal am Tag von Bord zu gehen. Nachmittag wollten wir es uns am Sonnendeck gemütlich machen. Zum Mittagsschlaf fanden wir ein schattiges Plätzchen. Danach war Lesen und Sudoko angesagt bis wir um 16:00 Uhr durch Karstens sanfte Stimme zu Kaffee und Kuchen geladen wurden.

Zuerst wollte ich nach dem Kaffee an Land gehen, aber die nahegelegene Burg hatten wir schon Vormittag besichtigt. Die Fußgängerzone würde an einem Freitagnachmittag voller Leute sein – also legten wir uns wieder in einen Liegestuhl und ließen uns von der Sonne bescheinen. Abendessen gab es auch schon um 18:30 Uhr, da noch ein Abendausflug angeboten wurde. Belgrad bei Nacht konnten wir von Bord aus schön beobachten, gegessen hatten wir genügend und die Folkloredarbietungen wollten wir uns auch schenken.

Sobald alle Gäste ihre Reisepässe wieder gegen den Kabinenschlüssel getauscht hatten, konnte das Schiff ablegen. Wir wollten das Ablegen und Auslaufen des Schiffes nicht versäumen, da das Lichtkonzept der serbischen Hauptstadt wirklich toll ist. Einige Passagiere hatten die Nacht zuvor nicht sehr gut geschlafen. Wir hatten gegen 3:00 Uhr angelegt und da gab es ein dumpfes Grollen. Jetzt sahen und hörten wir wieso. Am gegenüberliegenden Ufer war die Partymeile. Hier gab es sechs große Diskotheken, die auf Booten untergebracht waren, alle in verschiedenen Farben flackernd und mit lautstarker Musik versehen. Es kam einem vor, als ob die Bässe das Schiff erschüttern würden. Jetzt war auch der eigenartige Lärm der Nacht geklärt.

Belgrad bei Nacht

Belgrad bei Nacht

Kaum war der letzte Passagier an Bord, legten wir ab. Wir waren nicht die Einzigen, die das Wendemanöver des Schiffes vom Sonnendeck aus beobachteten. Unser Schiff stand in voller Länge quer über die Save und blockierte für kurze Zeit den Schiffsverkehr. Die Brücke hinter uns war hell erleuchtet, ebenso wie die Hafenkirche und die Festung. Als wir von der Save in die Donau eingefahren waren, wollten wir eigentlich in unsere Kabine. Karsten war vor der Rezeption und fing uns ab. Er sagte uns, dass die Heckbar windgeschützt sei und dass die Aussicht noch lange so schön sein würde. Er lud uns ein, dort noch etwas trinken. So begleitete uns der Tourmanager zum Heck des Schiffes. Wir nahmen Platz, bestellten und genossen noch lange die Aussicht.

Posted by fegoesdonau 00:52 Archived in Serbia

Tag 5

Die Kataraktenstrecke

semi-overcast 23 °C

Heute verbringen wir einen Tag so zu sagen "Auf See" und wir passieren das Eiserne Tor. Die 130 Kilometer lange Kataraktenstrecke ist landschaftlich eine der schönsten Abschnitte der Donaukreuzfahrt. Das „Eiserne Tor“ ist das Durchbruchstal zwischen dem Serbischen Erzgebirge und dem Banater Gebirge, an der Grenze von Serbien und Rumänien. Bis zu seiner Entschärfung im Jahre 1972 durch den Bau der Kraftwerke Djerdab I und II galt es als der für die Schifffahrt gefährlichste Abschnitt der Donau, der nicht ohne Lotsen passiert werden konnte.

Karte Tag 5

Karte Tag 5

Da wir heute keinen fixen Zeitplan hatten, konnten wir wieder einmal etwas länger schlafen. Als wir zum Frühstück gehen wollten, war das Kraftwerk Djerdab II schon in Sicht. Deshalb entschlossen wir uns, vorerst noch etwas an Deck zu bleiben. Mutti war noch nie in einer Schleuse gewesen. Sie war schon gespannt, wie man den Höhenunterschied überwinden konnte.

Kraftwerk Djerdap II

Kraftwerk Djerdap II

Wir fuhren in die Schleuse ein. Eigentlich besteht sie seitlich aus betonierten Mauern und zwei verschließbaren Toren, die ein Becken bilden. Ein Tor ist immer offen, damit das Schiff einfahren kann.

Schleuse Djerdap II

Schleuse Djerdap II

Dann wird das zweite Tor geschlossen.

Tor zu Schleuse Djerdap II

Tor zu Schleuse Djerdap II

Wasser wurde in das geschlossene Becken gepumpt, bis wir das Niveau des oberen Flusslaufs erreicht hatten.

Blick aus der Schleuse zum Oberlauf des Flusses

Blick aus der Schleuse zum Oberlauf des Flusses

Ein Blick von der Heckbar zeigte uns, wie tief der Abschnitt der Donau, auf der wir gerade gekommen waren, unter uns lag. Als wir den Bug des Schiffes erreichten, war die Flutung des Beckens gerade vollendet und man sah, dass wir die neue Höhe der Donau erreicht hatten. Bis hierher lieben die Seeleute die Donau, weil ihnen keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Bis hierher kann man richtig „fahren“. Ab dem Kraftwerk hantelt man sich von einer Schleuse in die nächste weiter und kommt eigentlich nie mehr so richtig ins Fahren.

Jetzt würde der Kaffee bzw. Tee richtig schmecken. Wir ließen uns Zeit beim Frühstücken. Auf dem Buffet fand man alles, was das Herz bzw. der Magen begehrt: vom gesunden Müsli und Obst, über Wurst und Käse, verschiedenes Gebäck bis hin zum Rührei mit Speck. Tee konnte man mit heißem Wasser selber aufgießen, Kaffee wurde serviert. Natürlich gab es auch etwas Süßes zum Abschluss. Unser Dimitri bediente uns immer mit einem strahlenden Lächeln und so begann der Tag schon gut. Erst um 10:00 Uhr würde die Präsentation der Ausflüge für die Länder Serbien, Kroatien und Ungarn beginnen. Da bleibt Zeit genug für eine kleine Führung durch die MS Wolga.

Zunächst entführe ich euch in die Kabine Nummer 214, in der wir elf Nächte verbringen durften. Eigentlich fehlte es uns an Nichts. Tagsüber sah man keine Betten. Sie waren hochgeklappt oder in ein Sofa verwandelt. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Deshalb haben wir auch viel Zeit an Deck verbracht und sind eigentlich nur zum Umziehen und Schlafen auf die Kabine gegangen. Es gab in den Kästen zwar nur wenig Stauraum, aber wir hatten auch nicht so viel mit. Einen kleinen Tisch gab es auch noch, um unsere Schreibarbeiten zu erledigen.

Kabine Nr. 214

Kabine Nr. 214

Es gab auch ein kleines Bad. Darin befanden sich eine Toilette und eine Dusche mit Vorhang. Beim Duschen war es etwas eng und man musste schon ein bisschen aufpassen, damit der Nächste nicht eine nasse Klobrille hatte. Aber das muss man zu Hause auch. Von Vorteil war es, dass sich das Waschbecken nicht im Bad befand, sondern im Eingangsbereich der Kabine. So konnten sich eigentlich zwei Personen gleichzeitig fertigmachen.

Badezimmer

Badezimmer

Waschbecken

Waschbecken

Die Gänge waren lang und überall gab es Sicherheitstüren. Auf unserem Deck waren die Frisörin, die Massörin und die Wäscherei untergebracht.

Gang

Gang

Über Stiegen gelangte man von einem Deck zum anderen. Unser Schiff war ohne Lift und damit nicht behindertengerecht ausgestattet. Jedoch waren die Matrosen immer behilflich, wenn sie sahen, dass sich jemand mit dem Gehen schwertat. Eine Dame mit Rollstuhl war ja mit an Bord.

Stiegenhaus

Stiegenhaus

Die Rezeption befand sich am Hauptdeck und noch ein Deck höher waren der Speisesaal, der Blaue Salon und die Heckbar. Das Sonnendeck war, wie sollte es auch sein, ganz oben. Ein kleiner Pool war an den heißen Tag sicherlich das Highlight. Liegen waren immer genügend vorhanden – Sesselauflagen auch. Wenn es die Höhe der Brücken zuließ, dann wurde auch das Sonnendach ausgefahren. Sonst fand man an der Gangway am Oberdeck auch immer ein schattiges Plätzchen.

Sonnendeck

Sonnendeck

Die Donau war zu einem riesigen Stausee geworden. Mit der Planung der von Rumänien und Serbien zu gleichen Teilen genutzten Talsperre wurde 1964 begonnen, der Betrieb wurde 1972 aufgenommen. Der Rückstau ließ den 150 Kilometer langen Djerdapsee entstehen. Der Wasserspiegel wurde um 35 Meter gehoben. Neben der Energiegewinnung wurde so auch die Wasserstraße auf der Donau ausgebaut und die Schiffdurchfahrt erleichtert. Auch sah man immer wieder recht schöne Häuser und sogar Villen am Ufer. Hier ist ein Erholungsgebiet entstanden.

Endlich bestand die Gelegenheit, den Kapitän auf der Brücke zu besuchen. Katja von der Rezeption erzählte viel von der Fahrrinne und der Wassertiefe. Unser Schiff konnte sogar noch bei 30 cm Wasser unter dem Kiel fahren. Manchmal sei es jedoch schon vorgekommen, dass der Wasserspiegel so tief gesunken war, dass die Kreuzfahrt abgebrochen werden musste. Das Schiff war mit sehr modernen Navigationssystemen ausgestattet und alles wurde auf Computer umgestellt, obwohl alle Geräte auch noch manuell bedient werden konnten. Der Erste Offizier gab bereitwillig auf alle Fragen eine Antwort. Katja fungierte immer wieder als Dolmetsch, da das nautische Personal – bis auf den Kapitän – nur schlecht Englisch und fast gar kein Deutsch sprach. Zum Schluss setzte sich Mutti die Kapitänsmütze noch für ein Foto auf.

Besuch auf der Brücke

Besuch auf der Brücke

Kurz vor Mittag erreichten wir die rumänische Stadt Turnu Severin, die ursprünglich die alte römische Stadt Drobeta war. Die Industriestadt ist heute ein wichtiger Handelshafen an der Donau. Außerdem wird sie die „Stadt der Rosen“ genannt.

Drobeta-Turnu Severin

Drobeta-Turnu Severin

Kaiser Trajan ließ hier im Jahre 105 nach Christi von Baumeister Apollodorus von Damaskus eine Brücke errichten, deren Uferpfeiler teileweise noch erhalten sind. Die Trajansbrücke war die erste dauerhafte Brücke über die untere Donau und verband die Ufer des heutigen Rumänien und Serbien. Sie blieb sowohl hinsichtlich ihrer Gesamtlänge als auch ihrer Bogenspannweiten über ein Jahrtausend lang die längste Brücke der Welt.

Überreste Brückenpfeiler Trajansbrücke

Überreste Brückenpfeiler Trajansbrücke

Bald schon würden wir das Kraftwerk Eisernes Tor I erreichen. Deshalb veranstaltete die Crew ein kleines Schleusenfest mit Weißwurst und Weißbier. Was allerdings die Weißwürste mit der Donau oder mit Rumänien oder Serbien zu tun hatten, konnte mir keiner erklären. Der Bordmusiker spielte dazu noch an seiner Melodica den Donauwalzer. Leider waren die falschen Töne nicht zu überhören.

Das Kraftwerk Eisernes Tor 1 ist das größte Laufkraftwerk in der Donau und liegt in der Nähe des Eisernen Tores. Zum Fertigstellungszeitpunkt zählte es als das weltweit größte Flusskraftwerk mit einer Engpassleistung von 2052 MW. Nach einigen Sanierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren konnte die Leistung der sechs Generatoren auf eine gesamte Kraftwerksleistung von 2192 MW gesteigert werden. Wir wurden der Schleuse Nummer 1 zugewiesen.

Schleuse Kraftwerk Djerdap I

Schleuse Kraftwerk Djerdap I

Da hier der zu überwindende Höhenunterschied noch größer war, hatte die Schleuse zwei hintereinanderliegende Kammern. Früher gab es hier fast unüberwindbare Stromschnellen, die von den Schiffern sehr gefürchtet waren. Durch den Bau der zwei Staudämme wurde der wildeste Teil des Stromes gebändigt.

Zweikammern Schleuse

Zweikammern Schleuse

In der Ferne sah man, dass die Berge wieder näher ans Ufer rückten. Ich befürchtete, dass die aufziehenden Wolken, das Gebirge berühren und es zu regnen beginnen würde. Als wir die Schleuse verließen, war der Fluss noch immer sehr breit. In einer großen Bucht, wo die Cerna in die Donau mündet, liegt die Stadt Orsova, überragt von der Bergkirche Arlon, wo Kaiser Franz Josef einst die Österreichische Krone versteckt hatte. Das alte Orsova und Teile der Trajanstraße versanken ebenso wie die Insel Ada Kaleh in den Fluten des Stausees. Die Stadt ist der eigentliche Ausgangspunkt für Schifffahrten zum Eisernen Tor.

Orsova

Orsova

Damit die Tabula Trajana, ein weißer Marmorblock, der an den Bau der Trajansstraße entlang der Donau erinnert, nicht der Flutung zum Opfer fiel, wurde sie 1972 zusammen mit dem Felsen herausgemeißelt und auf ein höheres Niveau versetzt. Die Marmorplatte hat eine Länge von 3,2 m und eine Höhe von 1.8 m und zeigt zu beiden Seiten schwebende Delfine, darüber einen Adler und Rosen. Die Übersetzung der römischen Inschrift war sehr beeindruckend: Der Sohn des göttlichen Nerva und regierender Kaiser, Nerva Traianus Augustus Germanicus, Pontifex Maximus, zum vierten Male Inhaber der tribunizischen Gewalt, Vater des Vaterlandes und zum dritten Mal Konsul, hat Gebirge und Strom überwunden und diese Straße gebaut. Ich hatte schon Probleme dies mit der Tastatur zu schreiben – wie muss es erst gewesen sein, diese Inschrift in Stein zu meißeln?

Tabula Trajana

Tabula Trajana

Nach Orsova wurde das Flussbett immer enger. Wir hatten die größte Flussschlucht Europas mit ihren steilen Felswänden und dramatischen Aussichten erreicht. Der Himmel verfinsterte sich zusehend. Die Strecke wurde sehr kurvenreich. So würde der Fluss eigentlich immer fließen, der Landschaft angepasst und nicht begradigt. Nach einer Flussbiegung tauchte das Kloster Mraconia auf. Es wurde 1523 am Ufer erbaut, in den Türkenkriegen zerstört, wieder aufgebaut, überflutet und wieder aufgebaut.

Donaudurchbruch mit Kloster Marconia

Donaudurchbruch mit Kloster Marconia

Dort, wo der Fluss Marconia in die Donau mündet, befindet sich die Statue des Dakerkönigs Decebalus. Sie ist mit 40 Metern die höchste Felsskulptur in Europa. Die Idee dazu hatte der reiche, in Amerika lebende, rumänische Geschäftsmann und Historiker Iosif Constantin Dragan. Zwölf Bildhauer waren von 1994-2004 mit der Fertigstellung der Skulptur beschäftigt, die eine Million Dollar gekostet hat. Der Dakerkönig Decebalus hat noch heute in rumänischen Volksliedern seinen Platz und ist so etwas wie ein Nationalheld. Gleichzeitig berufen sich die Rumänen aber mit Stolz auf ihren lateinischen Ursprung.

Decebal

Decebal

Gerade noch rechtzeitig bevor der Himmel seine Schleusen öffnete, konnte ich meine Fotos machen. Dann goss es etwa sieben Minuten in Strömen. Bald danach erreichten wir die engste Stelle der Donau – die Cazane Schlucht mit 150 Metern, die auch mit 82 Metern Tiefe eine der größten Flusstiefen der Welt hat. Die Klippen ragen über 300 Meter hoch auf.

Cazane Schlucht, engste Stelle der Donau

Cazane Schlucht, engste Stelle der Donau

Danach weitete sich das Tal sofort wieder. Dreizehn Dörfer mit etwa 25.000 Einwohnern mussten hier umgesiedelt werden, weil alles überflutet wurde. Auf den sanften Hängen gibt es saftige Wiesen, Bauernhöfe inmitten von Obstgärten und Kartoffelzeilen, die in Reih und Glied den Hang überziehen. Von den drei Türmen der Festung Tri Cule ragen nur noch zwei aus dem Stausee heraus. Dann erst erreichen wir das eigentliche „Eiserne Tor“. Hier wurde bis in die 1960er Jahre am serbischen Ufer eine im Ersten Weltkrieg errichtete Triedelbahn betrieben, um stromaufwärts fahrende Schiffe gegen die starke Strömung in der Schifffahrtsrinne zu unterstützen. Die in Normalspur ausgeführte Bahn mit einer Streckenlänge von 2.230 Metern wurde von der deutschen Reserve-Eisenbahn-Baukompanie aufgebaut. Die Strecke war zur effizienteren Betriebsabwicklung auf den ersten zwei Drittel ihrer Länge zweigleisig geführt. Während auf dem uferseitigen Gleis ein Schiff geschleppt wurde, konnte auf dem anderen Gleis eine Lokomotive zum Ausgangspunkt zurückkehren. Die Triedelbahn stand gemäß internationaler Vereinbarungen Schiffen aller Nationalitäten gegen Gebühr zur Verfügung. Hier gab es ein „eisernes Tor“ und daher stammt auch der bekannte Name der Region.

Unter dem roten Felsen liegt das „Eiserne Tor“

Unter dem roten Felsen liegt das „Eiserne Tor“

Als „Kataraktenstrecke“ bezeichnet man das Donaudurchbruchstal im Karpaten-Balkan-Bogen. Die drei Engstellen wechseln sich mit drei seenartigen Becken ab. Jetzt befinden wir uns im letzten dieser Becken. Von weitem sah man am serbischen Ufer ein riesiges Glashaus. Unsere „Beatrice“ spielte schon den ganzen Tag über Reiseleiter und brachte immer wieder humorvolle Einlagen. Hier soll nach seinen Ausführungen ein Forschungszentrum für genmanipulierte Tomaten sein. Lepenski Vir ist eine mittel- und jungsteinzeitliche archäologische Fundstätte an der Donau. Erste Siedlungspuren beginnen etwa 7000 v. Chr. Bekannt wurden die Ausgrabungen erst als man 1967 mittelsteinzeitliche, bis zu 50 cm große Skulpturen, die an Fische mit menschlichen Zügen erinnern, entdeckte. Die Ausgrabungen wurden 1971 mit der Verlagerung auf ein etwa 30 Meter höheres Niveau beendet, um die Überflutung zu verhindern. Ende 2013 wurde die Stahlkonstruktion mit durchsichtigen, unzerstörbaren Lexan-Platten als Überdachung fertiggestellt.

Ausgrabungsstätte Lepenski Vir

Ausgrabungsstätte Lepenski Vir

Entlang der Donau verläuft eine Fernstraße, die immer wieder über Brücken und Tunnels mit spektakulärer Aussicht führt. Mit der Passage der Ruine Golubac, auch Taubenburg genannt, fahren wir aus den Katarakten aus. Die Straße verläuft in einem Tunnel direkt durch den Burgfelsen hindurch. Die Burg auf der gegenüberliegenden rumänischen Seite ist leider nicht mehr so gut erhalten.

Burgruine Golubac

Burgruine Golubac

Aus der Mitte des Flussbettes ragt das Wahrzeichen der Kataraktenstrecke, der Babakai-Felsen. Um den Felsen rankt sich das Märchen von der schönen, aber unglücklichen Babakai. Es soll sich um eine Haremsdame des Wesirs von Golubac gehandelt haben, die von einem Verehrer entführt worden und am Felsen umgekommen war.

Babakai Felsen

Babakai Felsen

Mit diesem Felsen hatten wir auch die Berge hinter uns gelassen. Sofort hatte sich das Wetter geändert und die Sonne ließ die hinter uns liegenden, steilen Felsen im Abendlicht erstrahlen. Die Sonne zeigte uns also an, dass es Zeit war, uns für das Kapitänsdinner umzuziehen. Heute musste gefeiert werden, zum Dank dafür, dass der Kapitän die schwierigsten Passagen unserer Reise so souverän gemeistert hatte.
Schon zum Empfang erhielten wir ein Glas Krimsekt. Danach wurde mit dem Kapitän und dem Tourmanager angestoßen und ein Erinnerungsfoto gemacht. Das Mahl begann mit einem griechischen Salat mit Schafskäse, gefolgt von Bortsch. Zur Vorspeise gab es Krautrolladen, als Hauptspeise Schweinemedaillons mit Ofenkartoffel und Gemüse und als Nachspeise Eis. Ich begnügte mich mit drei Gängen Krautrolladen, zum Erstaunen unseres Kellners. Dazu gab es natürlich ein Gläschen Wein vom Weingut Sabo in der Ukraine.

Kapitänsdinner

Kapitänsdinner

Diesmal speiste der Kapitän mit allen Offizieren tatsächlich mit uns im Speisesaal. Während des Essens wurden Lose für die am Abend stattfindende Tombula verkauft, an der wir dann auch teilnahmen. Ich gewann ein Xylofon und musste gleich in der Kapelle mitspielen. Mutti gewann den Hauptpreis – eine Kollektion verschiedener Wodkas. Genau immer die, die am meisten trinken!

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Tag 4

Bukarest, das kleine Paris des Ostens

overcast 23 °C

Die ganze Nacht lagen wir in Rousse in Bulgarien vor Anker. Es war für Mutti eine ruhige Nacht ohne Plätschern. Wenn das Schiff steht, hörte man in unserer Kabine kaum etwas vom Motorengeräusch und man konnte wirklich gut schlafen. Um unsere Verspätung etwas aufzuholen, wurde unser Programm geändert. Wir würden nach der Stadtrundfahrt in Bukarest nicht mehr nach Giurgiu zurückkehren, sondern das Schiff würde schon nach Turnu Magurele vorausfahren, wo wir wieder an Bord gehen konnten. Wir würden zwar für die Rückfahrt eine Stunde länger benötigen, aber das Schiff würde Zeit gutmachen. Außerdem würden wir die Kataraktenstrecke, einer der interessantesten Teile der Reise, bei Tag durchqueren und nicht erst in der Abenddämmerung. Alle hatten natürlich der kurzfristigen Programmänderung zugestimmt.

Karte Tag 4

Karte Tag 4

Daher hieß es schon früh aufstehen. Als ich aufstand, hatte sich das Schiff schon in Bewegung gesetzt. Eigentlich mussten wir nur die Donau überqueren, den Giurgiu lag schräg gegenüber von Rousse auf rumänischer Seite. Als wir zum Frühstück gingen, hatten wir das Land schon gewechselt – aufgestanden in Bulgarien, getuscht im Niemandsland und gefrühstückt in Rumänien. Das sind alles Vorteile einer Schiffsreise.
Nachdem die Eingangsrevision beendet war, verließen wir das Schiff und teilten uns auf zwei Buse auf. Ich konnte den Platz in der ersten Reihe ergattern. Ich war noch nie in Bukarest gewesen und wollte unbedingt alles gut sehen. Der Ortsname Giurgiu stammt von Genueser Seeleuten, die im 14. Jh. hier eine Handelsniederlassung und die Burg San Giorgio errichteten, wovon heute nur noch ein schiefer Wachturm im Zentrum erhalten ist. Von hier aus würden wir über die Europastraße 85 die Hauptstadt Rumäniens, die 64 Kilometer entfernt ist, in etwa einer Stunde erreichen.

Das Land war wiederum flach und es gab große Felder, auf denen Getreide, Mais, Sonnenblumen und Raps wuchsen. In der Walachischen Tiefebene kann zwei Mal geerntet werden. Auf dieser Schnellstraße fuhren sogar zum Teil Pferdefuhrwerke. Bei einer Tankstelle machten wir einen technischen Stopp. Es galt wie schon so oft, dass hier der Euro akzeptiert wurde. Kurz nach unserem Halt fing es an städtischer zu werden. Man sah viele neue Siedlungen mit Einfamilienhäusern. Danach wurden die Häuser höher und man sah viele Wohnblöcke.

Schnellstraße nach Bukarest

Schnellstraße nach Bukarest

Am Stadtrand gab es auch wieder die neuerbauten Villen der Roma. Dann begegneten wir einer Straßenbahn und wussten, dass wir die Hauptstadt erreicht hatten. Bukarest hat etwa zwei Millionen Einwohner – mit den Vororten und den Pendlern, die täglich anreisen, so um die drei Millionen. Bukarest wurde einer Legende nach von einem Hirten namens Bucur gegründet. Bucurie bezeichnet im Rumänischen glückhafte Freude. Seit 1659 ist sie die Hauptstadt Rumäniens.

Zuerst kamen wir am Denkmal des Unbekannten Soldaten Im Carol I Park vorbei. Unter den fünf geschlossenen Bögen aus rotem Granit waren bis vor der Revolution 1989 die Krypten der kommunistischen Führer. Im Jahr 1991 wurden diese ersetzt durch die Leichen der Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg.

Grabmal des Unbekannten Soldaten, Bukarest

Grabmal des Unbekannten Soldaten, Bukarest

Am Patriarchenhügel hielt der Bus und wir machten einen Spaziergang. Auf diesem Hügel mitten in der Stadt thronen die Patriarchen Kathedrale und das Wohnhaus mit privater Kapelle des Patriarchen der rumänisch-orthodoxen Kirche. In der Kirche von 1656 werden die Reliquien des Bukarester Stadtheiligen Dimitriu verehrt.

Am Patriarchenhügel in Bukarest

Am Patriarchenhügel in Bukarest

Diese Kirche ist nicht nur Innen reich geschmückt, sondern auch Außen. So hatten viel mehr Menschen die Möglichkeit, bildlich von den Heldentaten des Alten und Neuen Testamentes zu erfahren. Die vergoldete Ikonostase trennt den Bereich, der der Öffentlichkeit zugänglich ist, vom Allerheiligsten. Wir hatten Glück, dass gerade eine Messe stattfand und wir so dem eigenartigen Gesang lauschen konnten. In orthodoxen Kirchen gibt es keine Sitzbänke. Die langen Messen werden stehend gefeiert.

Ikonostase Patriarchenkathedrale

Ikonostase Patriarchenkathedrale

Beim Einsteigen erhielten wir unser Lunchpaket. Da Bukarest zu weit vom Schiff entfernt ist, konnten wir nicht für das Mittagessen dorthin zurückkehren. Im Lunchpaket befanden sich verschieden belegte Semmeln, Obst und eine Flasche Mineralwasser. Da es immer wärmer wurde, würde uns ein Schluck guttun. Auf großzügigen Boulevards vorbei an imposanten Bauwerken im Pariser Architekturstil ging unsere Runde durch die Stadt, die den Beinamen „Klein Paris des Ostens“ erhalten hat. Die Nationalbibliothek, das Nationaltheater, die Universität und viele alte Hotels sind beeindruckende Prachtbauten. Die 2,7 Kilometer lange Soseaua Kiseleff führt zum 27 Meter hohen Triumphbogen, der gerade renoviert wurde.

Triumphbogen, Bukarest

Triumphbogen, Bukarest

Die Villen im prachtvollen Botschaftsviertel sind zum Teil wunderschön restauriert worden.

Villen im Botschaftsviertel

Villen im Botschaftsviertel

Gegenüber der Zentrale der CEC Bank, die in einem alten, palastartigen Gebäude untergebracht ist, hielt der Bus, um uns für einen kurzen Rundgang in der Altstadt aussteigen zu lassen. Unser Reiseleiter Vlad zeigte uns auf dem Weg zur Fußgängerzone noch eine der schönsten Kirchen Bukarests, die Stavropoleos-Kirche. Den orientalischen Einfluss sieht man deutlich. Die Fresken und Heiligenporträts sind mit Blattgold wie Ikonen gemalt.

Stavropoleos-Kirche

Stavropoleos-Kirche

Gleich hinter der Kirche beginnt die Altstadt. Die schmalen Gassen gehören zur Fußgängerzone. Das Erdgeschoß der meisten alten Gebäude ist renoviert worden. Hier befindet sich heute die Vergnügungsmeile der Stadt. Es gibt am laufenden Band Restaurants, Cafes, Bars, Diskotheken und Tanzpaläste. Aus der Menge an Plastikbechern, die vor den noch geschlossenen Lokalen lagen, kann man schließen, dass hier am Vorabend die Hölle los war. Wie immer akzeptieren nicht alle Lokale Euros. Vlad zeigte uns ein Cafe, mit dem er anscheinend einen Vertrag hat. Hier konnten wir mit Euros zahlen und auch die Toiletten benutzen.

Vorerst gingen wir aber etwas durch die engen Gassen. Die Eingangsportale waren sehr prunkvoll, doch durfte man seinen Blick nicht über das Erdgeschoß hinausrichten. Die oberen Stockwerke waren zum Großteil in einem desolaten Zustand und manchmal ging man ein gefährliches Risiko ein, wenn man sich an einen der Tische setzte, die im Freien aufgestellt waren. Wir hatten unsere Tischnachbarn getroffen und gemeinsam beschlossen, in der empfohlenen Kneipe irischen Ursprungs einen Kaffee zu trinken. Ich genehmigte mir einen „Cafe Bellis“. Nicht nur der Name klingt gut, sondern er schmeckte auch ausgezeichnet.

Als wir wieder zum Bus zurückkehrten, war es Mittagszeit. Da kam die mit Wurst und Käse belegte Semmel des Lunchpaketes gerade recht. Wieder fuhren wir über einen breiten Boulevard. Am westlichen Ende erschien ein riesengroßes Gebäude. Um Platz für das Bauwerk der Superlative zu schaffen, zu dessen Gesamtkomplex auch weite Teile neuer Plätze und Alleen gehören, wurden Ende der 1970er Jahre teilweise historische Wohnhäuser mit rund 40.000 Wohneinheiten, ein Dutzend Kirchen und drei Synagogen abgerissen und Teile der Altstadt zwangsgeräumt. Baubeginn war 1983. 30.000 Handwerker und 700 Architekten arbeiteten etwa sechs Jahre rund um die Uhr um die verbauten 365.000 m² fertigzustellen. Ceausescu erbaute den monströsen Parlamentspalast, damals noch „Haus des Volkes“ genannt, um vom Balkon aus seine großen Reden zu halten. Dazu ist es nie gekommen. Der Einzige, der jemals vom Balkon sprach, war Micheal Jackson.

Balkon des Parlamentspalastes

Balkon des Parlamentspalastes

Das Gebäude hat eine Länge von 275 Metern, ist 235 Meter breit und hat eine Höhe von 86 Meter über dem Boden und 92 Meter im Untergrund. Nach dem Pentagon ist es das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt. Neben den über 3.000 prunkvoll ausgestatteten Zimmern gibt es viele Geheimgänge und Atombunker. Es soll sogar einen unterirdischen Fluchtweg zum Flughafen geben. Nach vielen Umbauten dient das Gebäude seit 1997 als Sitz der rumänischen Abgeordnetenkammer, 2005 bezog auch der Senat seinen Sitz im Palast. Außerdem gibt es in den Räumen ein internationales Konferenzzentrum. In den oberen Etagen befindet sich eine internationale Zoll- und Polizeiorganisation. Auf der Rückseite des Gebäudes ist das Nationalmuseum für Moderne Kunst untergebracht.

Parlamentspalast Bukarest

Parlamentspalast Bukarest

Nach so viel Rummel in der Stadt freuten wir uns schon wieder auf die gemütliche Atmosphäre unseres Schiffes. Zwei Stunden würde die Fahrt über die E70 Richtung Süden zum Hafen in Turnu Magurele dauern. Endlos schien hier die Tiefebene wieder zu sein. Endlos war auch die Länge einer Zeile an Sonnenblumen, die hier hauptsächlich gediehen. In der Kleinstadt Alexandria machten wir noch bei einer Tankstelle eine technische Pause.

Sonnenblumenfeld in der walachischen Tiefebene

Sonnenblumenfeld in der walachischen Tiefebene

Gegen 15:30 Uhr erreichten wir Turnu Magurele. Wir wurden von vielen Kaminen der Industrieanlagen begrüßt. Hier gibt es die größte Düngemittelfabrik des Landes. Der Schiffsanleger sah nicht sehr einladend aus und eigentlich waren wir froh, dass das Schiff gleich ablegte. Am gegenüberliegenden, steileren Ufer liegt die Bulgarische Stadt Nikopol. Die Stadt wird von einem Denkmal überragt, das an die verlorene Schlacht am 25. September 1396 erinnert, als ein christliches Kreuzfahrerheer auf die Osmanen traf und eine herbe Niederlage erleiden musste. Die Türken schlugen die christlichen Kontingente vernichtend. Nikopol stellt daher auch einen wichtigen Meilenstein dar zum Untergang der Kreuzzugsidee.

Nikopol

Nikopol

Bevor unser Tourmanager, der sich selbst als „quasi Beatrice von der MS Deutschland“ bezeichnete, die Ausflüge für die nächsten Tage präsentierte, wurden wir zum Kuchenbuffet geladen. Leider produzierte die Konditormeisterin immer so köstliche Sachen, dass wir nicht widerstehen konnten, einige Stücke davon zu essen. Für Serbien und Kroatien hatten wir die Ausflüge schon mit Buchung der Kreuzfahrt in einem Ausflugspaket bezahlt. Doch gab es bei der Präsentation der Ausflüge immer gute Tipps über den Ablauf der Reisen.

Für nach dem Abendessen hatte ich ein Ticket für eine Verkostung von ukrainischen Weinen gekauft. Hotelmanager Alexander König präsentierte drei Weiß- und drei Rotweine aus dem Bordkeller. Er umrahmte die Veranstaltung mit Witzen und einem Auszug von Briefen, die er von Passagieren erhalten hatte. Außerdem trugen Katja von der Rezeption und die Verkäuferin der Bordboutique einige Lieder vor. Zum Wein wurden verschiedene Käsesorten mit Weintrauben, Erdbeeren und Nüssen gereicht. Alle Weine mundeten, aber ein lieblicher Rotwein des Weingutes Shabo hat es uns besonders angetan und der wurde auch für den Rest der Reise unser Standardgetränk.

Weinverkostung mit Hotelmanager Alexander König

Weinverkostung mit Hotelmanager Alexander König

Danach hatten wir die nötige Bettschwere. Heute Nacht würden wir wieder das Plätschern des Wassers hören und der eine mehr oder der andere weniger gut schlafen. Auf jeden Fall war sicher, dass wir morgen wieder in zwei Ländern aufwachen würden: in der Fahrrinne der Donau, die die Grenze zwischen Rumänien und Serbien bilden würde.

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Tag 3

Im Land der Rosen

sunny 25 °C

Während der Nacht sind wir ein ganz gutes Stück bergwärts weitergekommen. Irgendwo ab dem Ort Silistra bildet die Donau wieder eine natürliche Grenze zwischen Rumänien im Norden und Bulgarien im Süden. In Bulgarien heißt die Donau Dunav. Der bulgarische Anteil an der Donau beträgt 472 Kilometer.

Karte Tag 3

Karte Tag 3

Da unser Ausflug erst am Nachmittag beginnen würde, hatten wir Zeit zum Ausschlafen und nahmen das Frühstück etwas später ein. Gerade als wir uns auf das Sonnendeck begaben, tauchte auf der rechten, rumänischen Seite die Industriestadt Oltenita auf. Das Wellblech der riesigen Lagerhallen war verrostet und die Fensterscheiben zerschlagen. Die Stadt hat wohl auch mal bessere Zeiten gesehen.

Auf der gegenüberliegenden, bulgarischen Seite liegt die Stadt Tutrakan. Die Häuser des größten Fischerdorfes von Bulgarien sind an den zur Donau hin steilabfallenden Hang gebaut. Sogar wer hier im Friedhof beerdigt liegt, hat eine tolle Aussicht. Am Kamm der Hügel wurden riesige graue sozialistische Plattenbauten errichtet und ein Fernsehturm.

Tutrakan, Bulgarien

Tutrakan, Bulgarien

Sonst ist der Hang voller kleiner und sehr gepflegter Einfamilienhäuser, fast alle mit roten Ziegeln gedeckt und deshalb auch schon weithin sichtbar. Die Stadt beherbergt ein einzigartiges Museum für Donaufischfang und Bootsbau. Hinter den Hügeln liegt das Biosphärenreservat Srebarna, wo viele Zugvögel auf ihren Weg in den Süden rasten.

Tutrakan, Bulgarien

Tutrakan, Bulgarien

Nach diesen beiden gegenüberliegenden Städten rückte die Natur wieder bis ans Ufer heran. Die Region zählt zu den am schwächsten besiedelten Gegenden Europas aber auch zu den ärmsten und rückständigsten Regionen der Europäischen Gemeinschaft. Das rumänische Ufer ist tiefer und eben – das bulgarische Ufer hügeliger. Hier sah man immer wieder Vögel in ihren Nestern und ihr Gezwitscher drang bis auf das Sonnendeck.

Natur entlang der Donau

Natur entlang der Donau

Eigentlich sollten wir um 12:30 Uhr in Rousse anlegen. Die Stunde Verspätung, die wir am Vortag aufgerissen hatten, konnten wir nicht aufholen – im Gegenteil, es war noch mindestens eine Stunde hinzugekommen. Das Hochwasser war nicht das Problem, sondern das viele Treibgut. Nochmals wollte unser Kapitän nicht riskieren, mit einem der großen Baumstämme zusammen zu stoßen. Zum Teil glich die Donau unterhalb der Savemündung einer Müllhalde. Alles, was beim Hochwasser nicht gut festigt war, wurde durch die Wassermassen mitgerissen. Vor allem schwammen hier ganze Container Plastikflaschen in den verschiedensten Größen und Farben. Diese gehen nicht unter und haben eine lange Lebensdauer. Diese Flaschenpost landet garantiert im Schwarzen Meer.

Vor uns überspannte eine zweistöckige Brücke die Donau. Es war 14:30 Uhr und wir hatten Rousse mit über zwei Stunden Verspätung erreicht. Die Brücke der Freundschaft, die 1954 eröffnet wurde, ist mit 2,8 Kilometer die längste Stahlbrücke Europas und war lange Zeit die einzige Verbindung zwischen Bulgarien und der Stadt Giurgiu in Rumänien. Sie besteht aus zwei Etagen – oben fahren Autos, unten die Eisenbahn. Hier würden wir auch die Nacht über vor Anker liegen. Also könnten wir die Nacht an Land verbringen.

Brücke der Freundschaft zwischen Rousse und Girgiu

Brücke der Freundschaft zwischen Rousse und Girgiu

Rousse ist mit circa 170.000 Einwohnern die fünfgrößte Stadt Bulgariens. Die Nähe zur Donau spielte für die Entwicklung der Stadt schon immer eine große Rolle. Hier wurde bereits von den Römern das Kriegsfestungslager Sxaginta Pristis errichtet, was soviel wie „Hafen der 60 Schiffe bedeutet“. Bevor wir jedoch vom Schiff konnten, mussten wir warten, bis das Schiff vom bulgarischen Zoll freigegeben wurde. Einstweilen legten wir schon unseren Empfänger um. Zwei Busse standen am Pier. Eine Gruppe würde eine Stadtrundfahrt in Rousse machen. Die zweite hingegen etwas über das Land fahren und die alte Hauptstadt Bulgariens, Veliko Tarnovo besuchen. Wir hatten uns für den zweiten Ausflug entschieden, da es unser einziger Halt in Bulgarien sein sollte.

Zuerst machten auch wir eine kleine Rundfahrt durch die Stadt. Die Fußgängerzone, die in der Nähe des Hafens liegt, war sehr bevölkert. Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten sind das Pantheon der Helden der Nationalen Wiedergeburt (Gedenkstätte bulgarischer Helden), der Bahnhof, das Opernhaus, das Freiheitsdenkmal und der Freiheitsplatz mit der bulgarisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskirche. Wegen seiner schönen Architektur und Innengestaltung der Gebäude, entworfen von italienischen, österreichischen, deutschen und bulgarischen Architekten, wird Rousse als „das kleine Wien“ bezeichnet.

Nach einer circa eineinhalbstündigen Fahrt auf der E85 durch die bulgarische Landschaft erreichten wir Veliko Tarnovo, die ehemalige Hauptstadt Bulgariens. Im Mittelalter herrschte in der Stadt ein reges politisches und kulturelles Leben. Über 200 Jahre lang wurde Veliko Tarnovo in den europäischen Höfen für das dritte Rom und das zweite Konstantinopel gehalten. Die Stadt mit ihren Wohn- und Handwerker-Vierteln sowie zahlreichen Kirchen, Klöstern und Terrassen wurde an den steilen Abhängen der Hügel Zarewetz, Trapesitza und Monina Krepost erbaut.

Auch Bulgarien hat eine eigene Währung, genannt die Leva, was soviel wie Löwe bedeutet. Ein Euro sind 1,96 Leva. Um das viele Geldwechseln zu vermeiden, war in unserem Ausflug eine Kaffeepause mit Kuchen und Toilettenstopp inkludiert. So blieben wir als erstes bei einem der schönsten kommunistischen Prachtbauten der Stadt stehen, dem Interhotel Veliko Tarnovo. Von Außen sieht das Hotel fürchterlich aus. Wir wurden in einen großen Speisesaal mit weichen Teppichen und großen Kristalllustern geführt. Der Kaffee und das Kleingebäck mundeten.

Interhotel Veliko Tarnovo

Interhotel Veliko Tarnovo

Danach gingen wir zu einer Brücke, die über den Yantra führt, der in mehreren Schleifen durch die Stadt fließt. Von dort hatten wir einen grandiosen Blick über die Altstadt und das Denkmal für die Zarenfamilie Assen. Da die Stadt auf steilen Hügeln gebaut ist, sind die Häuser aufeinander gebaut und man könnte sie, wenn man sich ein Meer am Fuße des Abhangs vorstellt, fast mit einem Dorf an der amalphitanischen Küste verwechseln.

Veliko Tarnovo

Veliko Tarnovo

Bevor wir den Rest der Stadt besichtigen würden, fuhren wir in das vier Kilometer entfernte Dorf Arbanasi. Die Straße dorthin führte durch eine malerische Schlucht. Wir fuhren stetig bergauf. Immerhin befanden wir uns in den Ausläufern des Balkangebirges. Von den Hügeln hatte man einen guten Blick auf die ehemalige Hauptstadt zurück und man sah, wie geschützt sie zwischen den Hügeln liegt. Die arbanasischen Händler waren im gesamten türkischen Imperium bekannt. Ihre Häuser ähnelten kleinen Festungen. Sie haben ein strenges und rauhes Erscheinungsbild, ohne Balkone, mit Gittern an den Fenstern und fest geschlagenen Außentüren. Innen allerdings sind sie reich und prachtvoll. Da es diese typischen Häuser nur hier gibt, hat man sich dazu entschlossen, auch alle Neubauten in diesem Stil errichten zu lassen. So entsteht auch ein sehr einheitliches Dorfbild.

Häuser in Arbanasi

Häuser in Arbanasi

Das bekannteste Haus sieht eher aus wie ein verlassener Stall. Niemand würde vermuten, dass sich im seinem Inneren ein so kostbarer Schatz versteckt hält. Die Kirche Sveto Rozhdestvo Hristovo oder die Kirche der Geburt Jesu Christi ist wirklich ein verstecktes Kleinod in den Bergen.

Kirche der Geburt Jesu Christi in Arbanasi

Kirche der Geburt Jesu Christi in Arbanasi

Zuerst betraten wir eine Art Speisesaal mit langen Bänken. Hier wurde früher gemeinsam gegessen, ganz wie beim letzten Abendmahl. An den Wänden und Decken gab es keine Stelle, an der nicht irgendein Bild gemahlen war. Da nur eine privilegierte Oberschichte früher lesen konnte, wurde die Kirche mit Geschichten aus der Bibel bemalen. Es gibt eine eigene Abteilung für Männer und eine für Frauen. Im Osten schließt die Kirche mit einer Kapelle für Johannes den Täufer ab. Die Malereien wurden einmal restauriert, jedoch wurde darauf geachtet, dass die Töne der Naturfarben erhalten blieben. Sie soll die schönste orthodoxe Kirche Bulgariens sein.

Kirche der Geburt Jesu Christi in Arbanasi

Kirche der Geburt Jesu Christi in Arbanasi

Wir setzten danach unseren Rundgang durch das Dorf fort. Hier gab es ein Geschäft, wo man verschiedene Produkte, die aus Rosen gemacht wurden, verkosten konnte. Das war eigentlich das einzige Mal auf unserer 12 tägigen Reise, dass wir vom Reiseleiter in ein Geschäft gelotst wurden. Das Rosental liegt geschützt hinter den Bergen. Bulgarien ist das Land der Rosen. Für die Herstellung eines Kilos Rosenöl benötigt man eine Tonne Rosenblätter. Deshalb wird das Rosenöl hier auch fließendes Gold genannt. Zur Verkostung gab es verschiedene Rosenliköre, kandierte Rosenblätter und Rosengebäck. Jeder Gast erhielt ein kleines Fläschchen Rosenwasser. Bulgarien ist der größte Produzent von Rosenessenzen für die Parfümindustrie.

Nur kurz dauerte die Fahrt zurück nach Veliko Turnovo, wo noch die Besichtigung des Schlossberges auf dem Programm stand. Die sogenannte Zarenfestung beherrscht das Stadtbild. Sie erinnert an die ruhmreiche Zeit der Aseniden, die zu den erfolgreichsten Dynastien Europas gehörten. Der Hügel Zerewetz ist noch von alten Befestigungsmauern umgeben. Gekrönt wird der Hügel von dem Kirchturm der Patriarchenkathedrale. Leider blieb uns keine Zeit mehr sie zu besteigen, denn unser Reiseleiter hatte der Küchenchefin versprochen, pünktlich zum Abendessen wieder an Bord zu sein.

Festungsberg Zerewetz

Festungsberg Zerewetz

Ein bisschen konnten wir jedoch noch in den kleinen Läden der Handwerkergasse stöbern, bevor wir wieder den Bus bestiegen. Bulgarien ist sicher eines der ärmsten Länder der EU. Der Durchschnittslohn eines Angestellten beträgt Euro 400,00 bis 450,00. Die Mindestrente beträgt Euro 75,00 pro Monat, die Höchstrente Euro 440,00. Bei diesen niedrigen Löhnen gab ich zu Bedenken, dass wir auch die Höhe unseres Trinkgeldes für die Reiseleiterin und den Busfahrer überdenken sollten.

Handwerkergasse Veliko Turnaro

Handwerkergasse Veliko Turnaro

Landschaftlich gefiel mir dieser Teil Bulgariens sehr gut. Die Felder waren eher hügelig und nicht so flach wie wir es am Vortag entlang der Donau gesehen hatten. Wir befanden uns hier auch in den Ausläufern des Balkangebirges. Die Dörfer jedoch sahen sehr ungepflegt aus mit ihren verfallenen Fabriksgebäuden und ihren verlassenen Häusern. Die Jugend siedelt in die Stadt.

Wir hatten auch schon wieder Rousse, dem Geburtsort des Schriftstellers Elias Canetti, erreicht. Im Hafen lag die MS Wolga und von ihrer Besatzung wurden wir schon erwartet. Beim Besteigen des Schiffes durften wir nicht darauf vergessen, unsere Hände zu desinfizieren. Wir wollten ja keine Keime mit an Bord bringen. Gegen die Rückgabe unserer grünen Karten erhielten wir unseren Zimmerschlüssel. Wir legten nur kurz unsere Taschen und Jacken in die Kabine und schon begaben wir uns in den Speisesaal. Tatjana hatte schon wieder ein tolles Menü für uns gekocht. Zusammen mit einem (oder zwei) Gläschen von dem ukrainischen, süßen Rotwein war der Abend gerettet. Zuerst hatte ich noch gedacht, in Rousse ein Internet Cafe aufzusuchen, um meine Texte zu posten, aber den weiten Spaziergang zurück in die Stadt wollte ich dann in der Finsternis doch nicht mehr machen.

Desinfektion auf der MS Wolga

Desinfektion auf der MS Wolga

Posted by fegoesdonau 00:50 Archived in Bulgaria

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